Die Angst vor Feuer, Krankheit und Tod hat die Menschen immer schon bewegt.  Doch wann kamen die ersten Versicherungen auf. Und: Was hat sich seitdem geändert? Knip hat zur Geschichte des Versicherungsschutzes recherchiert:

Treu, aufrichtig und verschwiegen – der Versicherungsmakler des 14. Jahrhunderts

Vor 697 Jahren, im schönen italienischen Pisa, entstand der erste Nachweis des Berufs des Versicherungsmaklers. Damals, im Jahr 1319 wurde ein Dokument verfasst, das eine Versicherungsmaklerprovision zu Gunsten des Maklers Bardo benannte. 76 Jahre später, im Jahr 1395 vermittelte der Makler Pagnozzo d’Agnolo eine Seegüterversicherung in Venedig. Venedig war damals eine der wichtigsten Größen der Seefahrerei und des globalen Handels. Unglaublich, aber wahr: Dies sind die ältesten Nachweise über die Arbeit des Versicherungsmaklers!

Ein Job mit Geschichte

Der Beruf des Versicherungsmaklers, oder auch Brokers, hat also eine lange Tradition. Damals, als zwischen dem Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts der inner- und zwischenstaatliche Handel zunahm, waren die See- und Transportversicherungen das ureigene Handelsgeschäft der Makler in Italien. Die Seeversicherung beispielsweise sorgte dafür, dass nur wenn ein Schiff wieder heil im Hafen einlief, das Seedarlehen und die vereinbarten Zinsen zurückgezahlt werden mussten. Es handelte sich also um die ersten kaufmännischen Versicherungen, die man zu damaliger Zeit abschließen konnte. Von Italien aus breitete sich das Geschäft der Seeversicherungen dann allmählich aus und gelangte über Spanien und Portugal bis nach Deutschland und England.

Dass die Seeversicherungen und damit auch der Job des Maklers Deutschland erreicht hat, lässt sich erstmals für das Jahr 1590 nachweisen: In Hamburg wurde ein Seeversicherungsvertrag durch einen Makler vermittelt.

Das Monopol des beeidigten Maklers

In den Ursprüngen des Maklerwesens durften nur beeidigte Makler für Ihre Mandanten tätig werden. Aus dem Jahre 1567 stammt der älteste Beleg für die Pflicht zur Leistung eines Eides, der die Amtswürde eines Maklers unterstreichen sollte. Interessant: Vom Makler ausgestellte Urkunden hatten aufgrund dieses zu leistenden Eides dieselbe Beweislast wie von Notaren!

Nach der Hamburgischen Mäklerordnung von 1642 durften nur „gute, tüchtige Personen zu geschworenen Mäklern angenommen werden“. Verpflichtend wurde in der Mäklerordnung festgehalten, dass ein Makler verschwiegen, treu und aufrichtig zu sein habe.

Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich das moderne Versicherungswesen:

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Das 16. Jahrhundert: Die ersten Feuerversicherungen entstehen

• Mitte des 16. Jhd. – Die sogenannten Brandgilden aus Schleswig-Holstein waren die ersten Versicherungen die auf dem Gegenseitigkeitsprinzip beruhten. Die 1676 gegründete Hamburger Feuerkasse ist die erste Versicherungseinrichtung die aus öffentlicher Hand gegründet wurde. Darauf folgten die Gebäudeversicherungsanstalten, die der Erhaltung der Gebäudesubstanz und sollten den Realkredit schützen und erhalten.

Das 17. Jahrhundert: Sachversicherungen werden berechnet

• 17. Jhd. – Etwa im 17 Jahrhundert entwickelten sich die ersten Sachversicherungen auf kaufmännischer Basis in England. 1765 wurde die Equitable Life Assurance Society gegründet. Es handelte sich dabei um die erste Versicherung, die auf mathematischen Grundlagen basierte.

Das 18. Jahrhundert: Die Haftpflichtversicherung wird erfunden

• 1792 bis 1750 – aus dieser Zeit stammen die ältesten Nachweise der ersten Haftpflichtversicherungen unter dem damals herrschenden König Hammurabi im alten Babylon. Belegt ist dies durch eine Gesetzes-Stele, auf der der König die geltenden Rechte festhielt. Der an der Stele formulierte „Codex Hammurabi” klärt Haftungsfragen und unvorhergesehene Ereignisse. Zum Beispiel: „Wird beim Einsturz Eigentum zerstört, so stelle der Baumeister wieder her, was immer zerstört wurde; weil er das Haus nicht fest genug baute, baue er es auf eigene Kosten wieder auf.”

Das 19. Jahrhundert: Gründung der Gothaer als erste deutsche Lebensversicherung

• 19. Jhd. – In Deutschland wurden bis zum angehenden 19. Jahrhundert alle mobilen Güter fast vollständig von französischen und englischen Versicherungsgesellschaften verwaltet. Als die Wirtschaft in Deutschland nach dem deutsch-französischen Krieg jedoch einen Aufschwung erfuhr, gab es auch in der Versicherungsbranche einen deutlichen Aufschwung. 1820 wurde die Gothaer Feuerversicherungsbank von Ernst Willhelm Arnoldi gegründet. Sieben Jahre später entwickelte sich aus ihr die Gothaer Lebensversicherungsbank und damit der erste deutsche Lebensversicherer.
Die klassischen Versicherungen, wie Transport-, Feuer- und Lebensversicherungen, waren im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts bereits durch deutsche Aktiengesellschaften besetzt.

Transportversicherungen im Binnenland: Die Schweiz zieht nach

• Mitte 19. Jhd. – In der Schweiz konnten privatrechtliche Versicherungen erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts Fuß fassen: Vorher war die Gesetzgebung in den einzelnen, kleinen Kantonen zu uneinheitlich, sodass sich keine tragfähige Versicherungsindustrie entwickeln konnte. Erst mit der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates im Jahr 1848 wurde der Grundstein für Versicherungen in der Schweiz gelegt. Bis dahin gab es lediglich einige ausländische Versicherer, wie zum Beispiel die französischen Lebens- und Feuerversicherer La Nationale und L’Union.

Zwar gab es in der Schweiz als Binnenland keine Schifffahrtsversicherungen. Aber durch die engen Handelsbeziehungen zu anderen Ländern und die frühe Industrialisierung entwickelte sich die Transportversicherung zu einem wichtigen Bereich der Schweizer Versicherungsindustrie.

Das Ende einer Vorherrschaft

Auch die schönste Zeit hat irgendwann ein Ende: Der Berufsstand und das Monopol des beeidigten Maklers wurde in Deutschland aufgehoben, als man im Jahre 1861 das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch einführte und das „Gesetz betreffs Aufhebung des Instituts der beeidigten Makler“.

Als nur einige wenige Gesellschaften existierten, konnte der Makler noch ohne Probleme den optimalen Versicherungsschutz zusammenstellen. Mit der industriellen Revolution waren jedoch zahlreiche neue Versicherungsgesellschaften entstanden. Jetzt waren die Makler einfach nicht mehr in der Lage, ihren Pflichten gerecht zu werden. Der Markt wurde zu groß, die Zahl der Versicherungsanbieter unübersichtlich – transparente Beratung war schlicht nicht mehr möglich. Bei den zahlreichen verschiedenen Versicherungen und Gesellschaften, mussten sich die Makler also zwingend zu Spezialisten entwickeln, mit besonderen Kenntnissen in abgetrennten Bereichen.

Ohne den zu leistenden Eid, konnten Versicherungsmakler, oder auch Broker, von nun an ganz einfach mit Gewerbeschein tätig werden.

Schärfere Gesetze reglementieren den Markt

Erst 2007 wurden die gesetzlichen Anforderungen an Versicherungsmakler wieder verschärft. Seitdem ist die gewerbsmäßige Vermittlung von Versicherungen in Deutschland erlaubnis- und registrierungspflichtig.

Dadurch ergaben sich nicht nur strengere Auflagen, sondern auch gesetzlich festgeschriebene Mindestqualifikationen. An Versicherungsprodukten wie Haftpflichtversicherung, Feuerversicherung oder auch der Lebensversicherung mag sich in den letzten Jahrhunderten zwar wenig geändert haben. Aber die Lebenssituation hat sich im Verlauf der Geschichte geändert. Ortsunabhängige Beratung rund um die Uhr steht heute im Vordergrund. Moderne Systeme wie die Knip-App haben sich an die „Generation Smartphone“ angepasst. Suchte man früher den beeidigten Makler auf, so schreibt man heute seinen Versicherungsberater einfach per Messenger an.

Auch die Dokumentation hat sich damit verändert: Abgeschlossene Policen findet man heute digital auf dem Handy – und nicht mehr in kiloschweren Registraturen mit Ledereinband. Am guten Gefühl, den richtigen Schutz zu haben hat sich jedoch bis heute nichts geändert.