Trennungen sind nicht nur emotional schmerzhaft, sie können auch finanziell kaum zu ertragen sein. Doch neben Offensichtlichem, wie dem Auflösen des gemeinsamen Haushalts und der Regelung von Besuchszeiten für die gemeinsamen Kinder, vergessen viele Eheleute, dass sich eine Scheidung auch auf ihren Versicherungsschutz auswirkt. Wir verraten was sich ändert und worauf Frauen besonders achten sollten:

Krankenversicherung

Besonders wenn Kinder ins Spiel kommen und sich die Frau eine Zeitlang aus dem Beruf zurückzieht, wird sich gerne über die Krankenkasse des Partners familienversichert. Bei einer Trennung gilt es jedoch einiges zu beachten: Denn spätestens mit der Scheidung endet der Versicherungsschutz des familienversicherten Partners.

Ist die Frau weiterhin nicht berufstätig, hat sie drei Monate Zeit, um sich freiwillig gesetzlich zu versichern. Meistens wird dann ein Betrag in Höhe von etwa 137 Euro im Monat fällig. Wer sich nicht rechtzeitig darum kümmert, seine Krankenkasse über die veränderte Situation zu informieren, riskiert Beitragsnachzahlungen. Es kann sogar passieren, dass der Ex-Partner die Beiträge für die Krankenversicherung zusätzlich zum Unterhalt übernehmen muss.

Wer allerdings eine neue Arbeit anfängt, wird automatisch in die gesetzliche Krankenkasse übernommen. Ab einer Einkommensgrenze von 53.550€ ist auch ein Wechsel in eine private Krankenversicherung möglich. Beim Thema private Krankenversicherung kann es übrigens schnell ungemütlich werden, wie folgendes Beispiel zeigt:

Der Ehemann ist Selbstständig und privat versichert. Die Ehefrau und Kinder sind ebenfalls über die private Krankenkasse mitversichert.

Folgendes Problem ergibt sich bei einer Scheidung: Wenn die Frau nach der Trennung nicht in einem Angestelltenverhältnis wieder zu arbeiten anfängt, muss sie sich weiterhin privat versichern, genauso wie die Kinder. Versicherungsexperte Marcus Ruske vom Portal Knip AG erklärt: „Nur, wenn die Familie zu einem Sozialfall wird und sich die Versicherung nicht leisten kann, kann das Sozialamt den Fall prüfen und über die Möglichkeit befinden, ob eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse möglich ist.“ Wer einen Anspruch auf Ehegattenunterhalt hat und bereits privat versichert war, kann darauf bestehen, auch weiterhin privatversichert zu bleiben.

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Eingeführt wurde die Möglichkeit zur Familienversicherung zu einer Zeit, als es noch üblich war, dass Frauen nicht arbeiten und als noch ein hohes Gesundheitsrisiko auf ihnen lastete. Schließlich starben Frauen nicht selten bei der Geburt der Kinder oder an den Folgen.

Private Haftpflichtversicherung

Auch die private Haftpflichtversicherung ermöglicht es, den Ehepartner mitzuversichern. Bis zur Scheidung bleibt der Partner auch geschützt. Aber nur, wenn der mitversicherte Ehepartner noch in der gemeinsamen Wohnung lebt. Was oft vergessen wird: Zieht er noch vor der Scheidung aus und sucht sich eine eigene Wohnung, kann es sein, dass er bereits mit dem Auszug nicht mehr geschützt ist. Hier sollte man sich frühzeitig informieren, um im Notfall nicht ohne Versicherungsschutz dazustehen.

KFZ-Versicherung – Schadenfreiheitsrabatt

Auch bei der KFZ-Versicherung kommt es oft zu Streitigkeiten, besonders wenn es um das Thema Schadenfreiheitsrabatt geht. Ist die KFZ-Police nur auf eine Person eingetragen, bekommt auch nur diese Person formal gesehen den Rabatt zugesprochen, der über die Jahre gesammelt wird. Nach der Trennung muss eine weitere KFZ-Versicherung abgeschlossen werden und dem anderen Partner bleibt oftmals nur die neue und damit teure Versicherung – denn es fehlen wertvolle Jahre für den Rabatt. Experte Marcus Ruske empfiehlt allerdings: „Sprechen sie mit ihrer Versicherung, oder ihrem Berater. Manchmal sind die Versicherungen so nett und rechnen teilweise Rabatte an, für die Dauer des Führerscheinbesitzes.“

Hausratversicherung

Auch bei der Hausratversicherung gibt es grundsätzlich nur einen Versicherungsnehmer. Hier gilt: Zieht der Versicherungsnehmer aus, nimmt er den Versicherungsschutz mit. Im Zweifel bleibt der Schutz zwar noch bis zu 3 Monate für die ursprüngliche Wohnung bestehen und schützt somit den Hausrat von zwei Wohnungen. Nichtsdestotrotz sollten die neuen Wohnungsverhältnisse immer sofort dem Versicherer mitgeteilt werden und eine eigene Police abgeschlossen werden. So geht man immer auf Nummer sicher.

Lebensversicherung

Bei Lebensversicherungen muss man zwischen zwei Formen unterscheiden. Wurde eine Risikolebensversicherung abgeschlossen, ändert sich im Fall einer Trennung oder Scheidung theoretisch nicht viel, da diese darauf ausgelegt ist, nur im Fall des Todes, aktiv zu werden. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass der Begünstigte in der Versicherung angepasst wird. Ansonsten bleibt die im Vertrag genannte Person nach geltendem Recht auch nach der Scheidung die Begünstigte. Dabei ist vollkommen egal, ob man bereits fünf, zehn oder zwanzig Jahre getrennt lebt und es vielleicht sogar schon einen neuen Partner gibt.

Anders verhält es sich mit der Kapitallebensversicherung. Diese dient eher dazu, zusätzliche Rücklagen für das Alter zu bilden. Bei einer Scheidung würde eine Kapitallebensversicherung in den Zugewinnausgleich fallen. Das bedeutet, dass sie zu den Gewinnen zählt, die während einer Ehe erwirtschaftet wurden und sie somit zwischen den Eheleuten aufzuteilen ist.Old Woman Blog

Rentenversicherung

Auch bei der Rentenversicherung ändert sich mit der Scheidung einiges. Ähnlich wie bei der Kapitallebensversicherung fällt auch die Rentenversicherung in den Versorgungsausgleich. Das Familiengericht stellt also fest, ob und wieviel dem einen Partner abgezogen und dem anderen angerechnet wird.

Auch wenn sich Männer genauso wie Frauen beim Partner familienversichern können, sind es meistens die Frauen, die diesen Vorteil für sich nutzen. Die Gründe dafür sind noch immer eindeutig: Die Frauen bekommen die Kinder und bleiben die erste Zeit beim Nachwuchs zuhause.

Besonders, wenn die Frauen während der Ehe nicht berufstätig waren, oder lediglich geringverdienend bis 450 €, müssen sie bei der Trennung einiges beachten. Oftmals ziehen sie bei Scheidungen den Kürzeren, da sie sich vollständig um neue Versicherungen kümmern müssen, oder wertvolle Sonderkonditionen und Rabatte entfallen.