Überall sieht man sie: handgeschriebene Zettel und geteilte Beiträge in sozialen Netzwerken – das geliebte und wertvolle Fahrrad wurde gestohlen! Dreist vom Fahrradschloss befreit, das oft als einsames Überbleibsel von der Straftat zeugt. Mal baumelt es noch am Fahrradständer an der U-Bahn-Station, manchmal umklammert es noch die Laterne im Innenhof. Was kann man tun, um sein geliebtes Fahrrad zu schützen, oder um im Zweifel für den Verlust entschädigt zu werden?

Mehr als 300.000 Fahrraddiebstähle werden bundesweit Jahr für Jahr erfasst. Im Verhältnis werden die meisten Räder in Magdeburg und Münster geklaut, die wenigsten Diebstähle wurden in Hagen und Remscheid angezeigt.

7 Grundregeln für optimalen Diebstahlschutz

Egal in welcher Stadt man mit dem Fahrrad unterwegs ist – Fahrraddiebstahl gibt es fast überall. Damit man es den Fahrraddieben so schwer wie möglich macht, gibt es ein paar einfache Grundregeln:

1.     Anschließen:

Ein Fahrrad sollte stets angeschlossen und nicht nur abgeschlossen werden. Das heißt, dass sowohl Rahmen, als auch Vorder- und Hinterrad an einem fest verankerten Gegenstand angeschlossen werden sollten. Auch dann, wenn man es nur für einen kurzen Augenblick aus den Augen lässt. Dieser Gegenstand sollte dabei nicht nur fest verankert sein, sondern auch so hoch, dass man das Fahrrad nicht einfach mitsamt dem Schloss darüber heben kann.

2.     Das richtige Schloss:

  • Bügelschlösser: Die schweren Stahlbügel sichern das Fahrrad am zuverlässigsten. Sie sind mittlerweile so stabil gebaut, dass sie auf offener Straße kaum noch aufgebrochen werden können, ohne jede Menge Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Gegen ein professionelles Knacken des Schlosses, sogenanntes “Lockpicking”, schützen aber meist nur die teuersten Modelle der geprüften Hersteller.
  • Panzerkabel und Ketten: Gute Panzerkabel und Kettenschlösser sind mittlerweile fast so sicher wie Stahlbügel, da meist die gleichen Schließmechanismen verwendet werden und die Panzerung, beziehungsweise die Kettenglieder, fast genauso widerstandsfähig sind. Ihr Vorteil: Sie sind viel flexibler als ein Bügelschloss und lassen sich so einfacher an unterschiedlichsten Gegenständen anschließen.
  • Faltschlösser: Die sogenannten Faltschlösser sind eine Kombination aus der Flexibilität eines Kettenschlosses und der Stabilität eines Bügelschlosses. Sie lassen sich ganz einfach auf eine kompakte Größe zusammenfalten und auch gut an Laternen und Bäumen befestigen, wenn man eine der längeren Ausführungen gewählt hat.
  • Rahmenschlösser und Spiralkabelschlösser: Diese Varianten reichen als alleinige Diebstahlsicherung nicht aus – sie eignen sich höchstens, um das Fahrrad kurz zu fixieren so lange man es noch im Blick hat. Ansonsten eignen sie sich höchstens als zusätzliche Sicherung, um einen Hinter- oder Vorderreifen vor Teileklau zu schützen.

3.     Der richtige Ort:

Das Fahrrad ist am besten an gut besuchten, öffentlichen Orten abgestellt. Hier haben Diebe weniger Gelegenheit aktiv zu werden.

4.     Die richtige Aufbewahrung:

Zuhause sollte das Rad nach Möglichkeit im eigenen Keller oder in speziellen, abschließbaren Fahrradboxen stehen. Wichtig: Am besten schließt man das Fahrrad auch hier gewissenhaft ab, um es vor Diebstahl zu schützen.

5.     Einzigartigkeit:

Individuelle Merkmale machen das Fahrrad unverwechselbar. So erschwert man Dieben den Weiterverkauf.

6.     Registrierung:

Codieren des Fahrrads hilft der Polizei, schnell und einfach den Besitzer zu ermitteln. Das Prinzip ist einfach: Mittels einer Graviermaschine oder eines speziellen Aufklebers wird auf dem Fahrrad ein personenbezogener und verschlüsselter Code verewigt. Er setzt sich zusammen aus dem Autokennzeichen und Gemeindecode des Ortes, in dem der Eigentümer wohnt, einer fünfstelligen Zahl für die Straße, drei Ziffern für die Hausnummer, sowie den Eigentümer-Initialen, möglichst ergänzt durch eine zweistellige Jahreszahl der Codierung. Eine solche Codierung kann man bei der Polizei oder der Stadtverwaltung erhalten.

Außerdem hat man die Möglichkeit, sich einen Fahrradpass ausstellen zu lassen. Diesen erhält man bei einem Fahrradhändler, der Polizei oder seiner Versicherung. In dem Dokument sind alle wesentlichen Informationen zum Fahrrad festgehalten. Dazu gehören beispielsweise Rahmennummer, Fabrikat und besondere Merkmale des Fahrrads.

7.     Häufige Ortswechsel:

Man sollte versuchen sein Fahrrad nicht immer an der gleichen Stelle anzuschließen, um es dort regelmäßig über Stunden hinweg stehen zu lassen. Das hilft Dieben nämlich Gewohnheiten auszukundschaften. Und beim nächsten Mal können sie das Fahrrad in aller Seelenruhe mitnehmen. Also: Öfter mal den Standort wechseln!

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Und was passiert, wenn’s passiert ist?

Gegen fest entschlossene und abgebrühte Profi-Langfinger kommt manchmal auch das beste Schloss nicht an. Und ist das Fahrrad wirklich einmal weg, kann eine Fahrradversicherung wenigstens den finanziellen Schaden mindern.

Hat man eine solche Versicherung abgeschlossen, muss man jetzt nur noch den Diebstahl der Polizei melden. Wird das Rad nicht wiedergefunden und die Ermittlungen eingestellt, kann man den Schaden bei der Versicherung einreichen. Dieser Fall tritt häufig ein, denn nur knapp zehn Prozent aller Fahrraddiebstähle können aufgeklärt werden.

Man sollte jedoch auf das Kleingedruckte in den Versicherungen achten, denn oftmals muss man sich an bestimmte Regeln halten, damit die Versicherung auch wirklich für den Schaden aufkommt.

Stellt man sein Fahrrad ausschließlich im eigenen Keller ab, der immer verschlossen ist, benötigt man keine extra Fahrradversicherung, wenn man über eine Hausratversicherung verfügt. Denn in dieser ist der Diebstahl des Fahrrads aus verschlossenen Räumen inbegriffen. Wer sein Fahrrad auch unterwegs gut versichert wissen will, muss dies häufig zusätzlich in der Hausratversicherung abschließen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine eigenständige Fahrraddiebstahlversicherung abzuschließen, die sich vor allem bei sehr teuren Fahrrädern lohnt. Wer das volle Versicherungsprogramm wünscht, inkludiert auch noch eine erweiterte Fahrradversicherung, die auch bei Unfällen und Beschädigungen zahlt.

Die Versicherungssumme für Fahrraddiebstahl sollte immer so hoch gewählt werden, wie der wahrscheinliche Schaden im schlimmsten Fall ausfallen kann. Ist eine Familie beispielsweise oft mit drei Rädern unterwegs, sollte für den maximalen Schutz der Wiederbeschaffungswert (gleicher Art und Güte) dieser drei Räder versichert sein.

Damit der Versicherer leistet, muss üblicherweise der Versicherungsnehmer sein Fahrrad mit einem Schloss sichern, dem Versicherer einen Fahrradpass einreichen, die Unterlagen über den Kauf nachweisen können sowie eine Bestätigung einreichen, dass das Fahrrad nicht wieder aufgetaucht ist. Wurde Anzeige erstattet, so erhält man nach erfolgloser Fahndung einen Brief, dass das Verfahren eingestellt wurde. Jetzt zahlt die Versicherung!

Checkliste:

• Rechnung über den Fahrradkauf aufbewahren

• Rahmennummer notieren

• Eindeutige Kennzeichen festhalten: Marke, Farbe, Zubehör usw.

• Fahrradpass aufheben. Die Polizei bietet dafür eine App an

• Fahrrad fotografieren