Versicherungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt und schadet der Allgemeinheit. Längst spüren Detektive & Co die Betrüger auf – und das kann für die Täter unangenehm werden! Knip hat die spektakulärsten Versicherungsbetrüger aller Zeiten gefunden.

„Auf halber Strecke rannte ein ortskundiger Hase in selbstmörderischer Absicht auf die Fahrbahn. Es gelang ihm, sich das Leben am Abschlussblech meines Fahrzeuges zu nehmen.“

Nicht immer lesen sich Schadensmeldungen so lustig wie diese. Zehntausende Meldungen gehen jährlich bei Versicherern ein. Diese wiederum müssen bewerten, ob die Versicherung im geschilderten Fall die Kosten übernimmt, die dem Versicherten durch einen Schaden entstanden sind. Die meisten Menschen sind ehrlich und wenden sich an ihre Versicherung, um Hilfe zu bekommen. Aber immer wieder gibt es Versicherungsbetrüger, die sich erhoffen, durch Betrügereien Versicherungsleistungen zu ergaunern. Manchmal sind diese Betrugsfälle durchaus amüsant – illegal sind sie immer!

Zu Recht wird Versicherungsbetrug strafrechtlich verfolgt, denn immerhin betrügt der Täter nicht nur den Versicherer, sondern schadet der Allgemeinheit. Denn es sind die Beitragszahlungen der Gemeinschaft, die der Täter erbeutet. Der Schaden geht in die Milliarden! Die dreistesten Betrugsfälle haben wir für euch zusammengestellt.

Die dreistesten Fälle von Versicherungsbetrug aller Zeiten

Besser arm dran, als Arm ab?

Im Jahr 2014 schnitt ein damals 50-jähriger Mann sich Daumen und Zeigefinger ab, um sich 1,4 Millionen Euro aus seiner Versicherung zu ergaunern. Er gab an, die Finger verloren zu haben als sein Hund in Richtung der laufenden Kreissäge lief und er ihn retten wollte. Dabei sei er unglücklich gefallen und seine Hand in die Kreissäge geraten. Die Versicherung wunderte sich über den glatten Schnitt und darüber, dass der Verletzte insgesamt vier Unfallversicherungen abgeschlossen hatte, die explizit die Verletzung der Finger einschließen und diesen Schaden besonders hoch bewerten. Das Kuriose: Der Mann war Versicherungsfachmann. Er hätte es also besser wissen müssen. Fazit: Die Versicherungen zahlten nichts.

Rheinländischer Geschäftssinn

Durch Versicherungsbetrug reich werden? Das klappt nicht.

Durch Versicherungsbetrug reich werden? Das klappt nicht.

Ein Jugendlicher aus dem Rheinland hatte sein Moped als gestohlen gemeldet, um Geld von der Versicherung zu bekommen. Die zahlte die vertraglich vereinbarte Summe. Der junge Mann, angespornt von seinem Erfolg, wiederholte diese Masche daraufhin noch in über 30 Fällen! Immer kaufte er ein neues Moped, nur um es kurze Zeit später als gestohlen zu melden. Erst einige Jahre später flog der Trick auf. Neben der Rückerstattung sämtlicher Kosten musste der Teenager eine satte Strafe zahlen. Moped fährt er wahrscheinlich nicht mehr.

Reiche tote Oma

In der Nähe von Mailand gab es über 100 Fälle, in denen Nachkommen die Rente ihrer Angehörigen noch lange nach deren Tod einsackten. Schuld war die mangelnde Kommunikation zwischen den italienischen Behörden: Das Einwohnermeldeamt hatte die Todesfälle zwar registriert, diese Informationen aber nicht der Sozialversicherung gegeben. Immer mehr Bewohner des kleinen italienischen Dorfes merkten, wie einfach es sein konnte, sein regelmäßiges Einkommen aufzubessern. Die Oma ist tot, die Rente kommt trotzdem weiter aufs Konto! Nach Bekanntwerden der Fälle fand der Segen ein schnelles Ende und die Schadenszahlungen fielen entsprechend hoch aus.

Liebe tut weh

Im Jahr 2000 ließ sich ein schwer verliebter Mann von seiner eigenen Frau mit dem Auto überfahren. Sie hatte ihn dazu überredet, um Geld aus der Versicherung zu bekommen. Gemeinsam wollte das Liebespaar mit der Summe aus der Versicherung ein entspanntes Leben beginnen. Von dem Geld hatten allerdings beide nichts. Die Versicherung entlarvte die Betrüger anhand widersprüchlicher Zeugenaussagen und forderte den Betrag zurück. Der Mann ist heute schwerbehindert, seine Frau wegen Versicherungsbetrugs im Gefängnis.

Die Lucona-Affäre

Einer der größten Betrugsfälle aller Zeiten ereignete sich in den 1970er Jahren in Österreich. Udo Proksch, Großunternehmer und Mitglied der Wiener High Society, versuchte, durch eine Täuschung Millionen von der Versicherung zu erbeuten. Er charterte den Frachter „Lucona“. Angeblich, um eine Anlage zur Aufbereitung von Uran-Erz zu transportieren. Er versicherte den Frachter für über 15 Millionen Euro. Geladen waren jedoch nur Metallabfälle im Wert von gut 70.000 Euro. Als der Frachter schon unterwegs war, explodierte eine Sprengladung. Der Kahn sank binnen Sekunden. Sechs Mitglieder der Besatzung verloren ihr Leben. Udo Proksch hatte darauf spekuliert, dass die Versicherung den Fall aufgrund seines Bekanntheitsgrades in der Wiener Oberschicht nicht intensiv prüfen würde. Genau das Gegenteil war der Fall: 16 Politiker mussten im Laufe der Ermittlungen von ihren Ämtern zurücktreten. Sie alle wussten von den illegalen Machenschaften Prokschs und waren bestochen worden. Um der Strafverfolgung zu entgehen, flüchtete der Unternehmer und unterzog sich sogar mehreren Schönheitsoperationen, um sein Aussehen zu verändern. 1989 wurde er dennoch erwischt und 1992 zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Komplize Hans Peter Daimler wurde zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Versicherer prüft Schadensmeldungen

Bei Versicherungsbetrug denkt man zuerst an große mafiöse Organisationen, die Versicherer um hohe Summen betrügen. Aber die meisten Betrugsfälle handeln von ganz normalen Kunden. Hausrat, Haftpflicht und Kfz: Man schätzt, dass eine von zehn Schadensmeldungen getürkt ist. Dann wird aus dem alten Fahrrad der Oma ein neues Mountainbike, aus dem Modeschmuck eine Rolex-Uhr und aus dem Röhrenfernseher ein XXL-Flatscreen …

Aus "alt" mach "neu"? Versicherungsbetrug fängt bei Kleinigkeiten wie dem TV-Gerät an

Aus “alt” mach “neu”? Versicherungsbetrug fängt bei Kleinigkeiten wie dem TV-Gerät an

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt, dass vor allem vor großen Sportevents plötzlich wesentlich mehr Schäden an Fernsehgeräten gemeldet werden als sonst. Klar: Kurz vorher kommen die neuesten Geräte auf den Markt. Wer hier auf dumme Gedanken kommt, dem sei gesagt: Ein Experte kann relativ leicht feststellen, ob ein Schaden tatsächlich wie beschrieben entstanden ist. Er weiß, worauf er achten muss, um mögliche Betrüger zu identifizieren.

Versicherungsexperte Marcus Ruske weiß: “Betrüger halten sich oft für schlauer als sie sind. Oft geben Antragsteller bei Abschluss einer Hausratversicherung eine Versicherungssumme an, die gemessen an der Wohnungsgröße viel zu hoch ist. Kurz nach Abschluss der Police wird ein Brand gemeldet. Die Wohnung samt Mobiliar: Zerstört!” Da muss die Versicherung ja skeptisch werden …

Auch beliebt: Der Schlawiner meldet den Diebstahl von sehr teuren Wertgegenständen und Bargeld, deren Wert nicht im Verhältnis zum Einkommen des Versicherten steht. Was manchmal wirken kann wie alltägliche Schummelei ist jedoch waschechter Versicherungsbetrug und wird strafrechtlich verfolgt! Bei der Fahndung setzen Versicherungsgesellschaften auf intelligente Computerprogramme, statistische Auswertungen und in Einzelfällen auch mal auf Detektive.

Welche Betrugsfälle gibt es?

Es gibt mehrere Tatbestände, die unter den Begriff Versicherungsbetrug fallen:

  1. Der Versicherte behauptet, ihm sei ein Schaden entstanden, obwohl dies nicht der Fall ist. Beispiel: Er meldet den Diebstahl von teurem Schmuck, obwohl er gar keinen Schmuck besitzt.
  2. Es ist ein Schaden entstanden, aber der Versicherte übertreibt bei der Beschreibung des Schadens. Beispiel: Der Versicherte behauptet, ein Dieb habe Goldschmuck im Wert von 10.000 Euro aus der Wohnung gestohlen, dabei war es nur Modeschmuck.
  3. Der Versicherte führt absichtlich einen Schaden herbei. Beispiel: Der Versicherte legt einen Brand in seiner Wohnung, um das Geld aus der Hausratversicherung einzustreichen.
  4. Es ist ein Schaden entstanden, der nicht von der Versicherung übernommen wird. Der Versicherte verfälscht die Umstände dann so, dass es aussieht, als sei der Schaden durch ein Ereignis entstanden, das von der Versicherung übernommen wird. Beispiel: Der Versicherte lässt sein Handy fallen, woraufhin es kaputtgeht. Er bittet eine Freundin, ihrer Haftpflichtversicherung zu melden, sie habe das Handy fallen lassen.

Meist übertreibt der Versicherte bei der Beschreibung des Schadensausmaßes oder behauptet, ein Schaden sei unter anderen Umständen entstanden. Werden diese Betrugsfälle nicht erkannt, zahlt der Versicherer Geld an Kunden, die dies nicht brauchen, sondern sich illegal bereichern wollen.

Jedes Jahr leisten Versicherer unnötige Rückzahlungen im Milliardenbereich. Der Verband GDV geht davon aus, dass der Schaden bei vier Milliarden Euro liegt – das sind etwa 10 Prozent aller Schadenszahlungen! Infolgedessen steigen die zu zahlenden Beiträge; schlimmstenfalls kommt es zu Problemen bei der Zahlung von Leistungen in wirklichen Schadensfällen.

Wo wird am häufigsten betrogen?

Vor allem Haftpflichtversicherte übertreiben bei ihrer Schadensmeldung gern oder geben an, einen Schaden verursacht zu haben, obwohl dies nicht der Fall ist. So gibt es beispielsweise überdurchschnittlich viele Betrugsfälle bei Smartphone-Schäden. Jährlich kommt ein neues iPhone auf den Markt und natürlich möchte man am liebsten immer das Neueste. Was viele nicht bedenken: Die Versicherung ersetzt nur den Zeitwert, also den Wert des Handys zum Schadenszeitpunkt. Und da die Preise fürs Handy ziemlich schnell sinken, sinkt auch der Betrag, den man vom Versicherer erhält.

Besonders gefährlich: Andere in Versicherungsbetrug verwickeln

Sogenannte "Autobumser" sind brandgefährlich

Sogenannte “Autobumser” sind brandgefährlich

Besonders skrupellos gehen sogenannte „Autobumser“ vor. Sie provozieren einen Autounfall, um Geld aus der Versicherung zu erbeuten. Dabei verwickeln sie einen Dritten und nehmen billigend in Kauf, dass dieser verletzt wird oder den Schaden aus eigener Tasche zahlen muss. Hat man nur eine Teilkaskoversicherung, erhält man nämlich wenig oder gar kein Geld von der Versicherung. Zusätzlich muss man damit rechnen, im darauffolgenden Jahr höhere Beiträge zu zahlen, wenn man in einen Unfall verwickelt wird. Häufig suchen sogenannte Autobumser sich einen Autofahrer aus, der alleine unterwegs ist, während sie zu zweit oder mit mehreren Personen im Auto sitzen. Das Opfer hat dann keine Chance, gegen so viele „Zeugen“ anzukommen. Insbesondere ältere Autofahrer und Fahranfänger sind beliebte Zielpersonen. Tipp: Opfer sollten direkt die Polizei verständigen!

Die Brillen-Schlangen der Versicherungswelt

Keine Frage: Brillen sind teuer. Gehen diese kaputt, sollte man sofort den Schaden der Versicherung melden, damit diese die Kosten für eine neue Brille übernehmen kann. Die Brille ist aber auch ein beliebter Gegenstand des Versicherungsbetrugs. Oft werden Rechnungen eingereicht, die weit über dem tatsächlichen Wert der beschädigten Brille liegen oder es wird darüber gelogen, wie die Brille zu Schaden gekommen ist. Hier muss man mit Nachfragen der Versicherung rechnen!

Das Schlüssel-Problem

Nur wenige haben eine Schlüsselversicherung in ihrer Hausratversicherung integriert, da dieser Zusatz natürlich auch zusätzliche Beiträge bedeutet. Daher versuchen viele, sich bei Verlust eines Schlüssel mithilfe von Freunden oder Bekannten aus der Affäre zu ziehen: Diese geben dann bei ihrer Haftpflichtversicherung an, den Schlüssel der betroffenen Person verloren zu haben. Dann muss die Haftpflichtversicherung für diesen Schaden aufkommen. Fakt ist: Hier werden Versicherungen sehr skeptisch!

Warum betrügen Versicherte?

In den meisten Fällen werden höchstens ein paar Hundert Euro, manchmal noch weniger, durch Betrug erschlichen. Doch warum ist Versicherungsbetrug fast schon ein Volkssport? Immerhin drohen Geldbußen und Gefängnisstrafen!

Der wohl wichtigste Grund: Versicherungsbetrug wird von vielen Deutschen als Kavaliersdelikt betrachtet. Gerade, weil Versicherungsbetrug oft nicht als „vollwertiger Betrug“ wahrgenommen wird, ist die Hemmschwelle niedriger. Doch auch vermeintliche Lappalien sind echte Straftaten.

Die meisten Versicherungsnehmer begehen erst dann einen Betrug, wenn sie die Gelegenheit dazu haben. Das heißt, sie wenden sich an den Versicherer, wenn sie ohnehin einen Schaden haben, machen bei der Schadensmeldung dann aber bewusst Falschangaben, um Leistungen von der Versicherung zu erschleichen. Wenn ein Fall aufgrund der Umstände eigentlich nicht von der Versicherung übernommen würde, biegen die Trickser diese in der Meldung so zurecht, dass die Versicherung greift. Oft handeln die Täter aus Überzeugung. Schließlich zahlen sie regelmäßig Beiträge und haben das Gefühl, nun auch eine entsprechende Leistung zu “verdienen”. Aber: Betrüger stellen sich über alle anderen Versicherten, die ebenfalls regelmäßig Beiträge in die Versicherung einzahlen. Gäbe es zu viele Betrugsfälle, würden die zu zahlenden Prämien für alle Kunden immer weiter ansteigen.

Detektive, Gutachter und Betrugssoftware: So ermitteln Versicherer

Versicherungsgesellschaften haben immer bessere Methoden, um Betrügern auf die Schliche zu kommen! Es kann durchaus vorkommen, dass der Versicherer einen Gutachter engagiert. Im Bereich der Lebensversicherung kommen oft auch Detektive zum Einsatz, die Versicherungsnehmer nach einer Schadensmeldung beschatten. Sie wollen beispielsweise herausfinden, ob dieser tatsächlich “berufsunfähig” ist oder vielleicht bei bester Gesundheit seine Freizeit genießt. Auch Dritte können dazu befragt werden.

Darüber hinaus gibt es spezielle Betrugserkennungssoftware, die Schadensmeldungen prüfen. Mit der sogenannten „intelligenten Schadensprüfung“ wollen Versicherer herausfinden, inwieweit eine Meldung stimmig und logisch ist. Dazu wird automatisch geprüft, wann der Vertrag zum letzten Mal verändert wurde, ob es Änderungen bei der Zahlungsweise der Beiträge gab, ob es schon einmal einen Schadensfall gab oder der Versicherungsnehmer in den Monaten zuvor Fragen bezüglich des Versicherungsschutzes hatte. Gerade Laien, die bei der Schadensmeldung „flunkern“, damit der Schaden von der Versicherung übernommen wird, werden von den Profis relativ leicht durchschaut.

Versicherer: Hart durchgreifen bei Versicherungsbetrug

Das „Flunkern“ hat dann aber oft dramatische Folgen. Bei allen Betrugsversuchen muss man mit hohen Geldstrafen und einer langen Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren rechnen.

Der Versicherer verweigert natürlich auch die Zahlung der vertraglich vereinbarten Summe. Der Versicherungsbetrüger verliert zudem seinen Versicherungsschutz und muss bereits erhaltene Leistungen zurückerstatten. Darüber hinaus muss er die durch den Betrug entstandenen Kosten tragen. Diese können durch die Anstellung von Privatdetektiven, Einschaltung von Gutachtern, Nachstellen von Schadensfällen oder Zeugenbefragungen durch Ermittler sehr hoch werden. Wird der Versicherungsnehmer darüber hinaus strafrechtlich verfolgt, muss er zudem mit einer hohen Strafzahlung oder sogar mit einer Haftstrafe rechnen.

Fazit: Fairplay auf beiden Seiten zahlt sich aus

Versicherungsbetrug wird eisern verfolgt und bestraft. Immerhin geht es darum, dass jeder fair behandelt wird und Anrecht auf eine Versicherungsleistung hat, statt sich auf Kosten anderer zu bereichern. Hat man wirklich einen finanziellen Schaden erlitten, will man, dass der Versicherer dafür aufkommt. Dies funktioniert nur, wenn viele Menschen in eine Versicherung einzahlen. Erst dann ist genug Kapital da, um Versicherungsnehmern zu helfen. Immerhin basieren Versicherungen auf dem Solidaritätsprinzip. Knip-Experte Marcus Ruske: “Wer selbst Opfer wird – etwa mutwillig in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, sollte den Versicherungsbetrug direkt der Polizei melden!”