Im Zeitalter der Selbstoptimierung springen auch Krankenkassen auf die Fitnesstracker-Welle auf. Sie locken mit Rabatten und zusätzlichen Prämien, wenn Kunden ihre Fitnessambitionen mit dem Unternehmen teilen. Würde sich der Trend allgemein gültig durchsetzen, könnte dies das Ende des Solidaritätsprinzips deutscher Krankenkassen bedeuten.


Smart WatchModisch und nützlich präsentieren sich Smart-Watch und Fitnessarmbänder und Tracking-Apps – ihr Ziel: Daten sammeln und Aktivitäten aufzeichnen, um den Träger zu einem gesünderen und aktiven Lebensstil zu motivieren.

Sie listen beispielsweise auf, welche Distanz zu Fuß zurückgelegt wurde, speichern und bewerten Schlafphasen oder errechnen die Kalorien von verzehrten Mahlzeiten.

Die erhobenen Daten können wiederum mit ähnlichen Fitness-Apps verbunden und ausgetauscht werden, wodurch ein eigenständiges Ökosystem entsteht, das sich ständig mit neuen Daten befüllt.  Von GPS-basierten Rout-Trackern für Fahrradfahrer oder Läufer, über Workout- und Food-Blogging, bis hin zu smarten Personen-Waagen, Pulsmessung und Apps, die aus allen gesammelten Daten eine Art Gesundheits-Tagebuch erstellen.

Das empfinden nicht nur viele Selbstoptimierer als praktisch, sondern auch Versicherungsunternehmen wollen auf die gesammelten Datenmengen zugreifen. Und das sind eine Menge Daten. Alleine die zu Adidas gehörende Sport-App Runtastic hat rund 80 Millionen Nutzer in über 20 Ländern.

Aktuell bezuschussen einige Krankenkassen bereits die Anschaffung von Fitnessarmbändern und Smart Watches. Wer dann seine Fitnessdaten noch mit der Krankenkasse teilt, kann bei vorbildlichem Verhalten auf Prämien hoffen.

Quasi als Belohnung für gesundes Verhalten. Das Kalkül dahinter: Der Versicherte kostet die Krankenversicherung weniger Geld, wenn dieser aktiv ist, sein Gewicht und seine Ernährung im Griff hat.

sportlicher-jungeSkeptiker befürchten, dass dieser Trend das Solidaritätsprinzip in Deutschland auf den Kopf stellen könnte. Denn wer gesund und aktiv ist, teilt seine Daten gerne und hofft so auf satte Rabatte und Prämien.

Wer nicht mitmacht ist schnell identifiziert und erhält das Misstrauen der Krankenkasse. Kritiker sehen dadurch vor allem die Alten und Kranken als Verlierer.

Ein weiterer Risikofaktor: Viele Messergebnisse sind ungenau, egal ob es der Schrittzähler oder die Pulsuhr ist. Sollen allerdings Krankenkassen-Leistungen auf diesen Angaben beruhen, muss man sich darauf verlassen können, dass sie nicht verfälscht sind.

Dem Ganzen stehen aktuell allerdings noch einige Gesetze im Weg. Es ist nämlich ganz genau geregelt, welche Daten die gesetzlichen Krankenkassen überhaupt über ihre Kunden erheben dürfen und welche nicht. Das bedeutet: Auch wenn Versicherungsunternehmen verständlicherweise großes Interesse an den Daten hegen, dürfen Informationen aus Fitnessarmband und Co noch lange nicht verwendet werden. So bleibt der Optimierungstrend wohl auch in Zukunft Privatsache.