Neue Unternehmensmodelle mischen gerne mal alteingesessene Branchen auf. Besonders erfolgreicher Vertreter dieser Gattung ist Airbnb. Weltweit werden über die drei größten Portale Airbnb, 9flats und wimdu über eine Millionen Zimmer angeboten und die Sharing-Economy boomt. Aber was passiert eigentlich, wenn ein Übernachtungsgast die Wohnung samt Mobiliar zerlegt oder die teure Einrichtung stiehlt?

Der Traum vom braven,  zahlenden Gast

Zerstörte Einrichtung, versuchte Vergewaltigung, Diebstahl und versteckte Kameras in Mietobjekten. Im vergangenen Jahr wurden 540 Fälle von schwerem Vandalismus bei Airbnb-Nutzern registriert. Im Verhältnis zu den 35 Millionen Gästen im Jahr 2015 ist diese Zahl natürlich verschwindend gering. Aber ein Restrisiko bleibt bestehen. Was also können Vermieter tun, oder gibt es vielleicht gar keinen sinnvollen Schutz?

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Die Gastgeber-Garantie: Versichert über 800.000 Euro

Airbnb und andere Anbieter wie 9flats oder wimdu funktionieren über Vertrauen – und als Gastgeber bist du den Unternehmen viel wert. Dies kommunizieren sie auch überdeutlich und machen ordentlich Werbung damit, dass jeder teilnahmeberechtigte Gastgeber vom Unternehmen geschützt wird. Es entsteht der Eindruck, dass die eigene Wohnung und das Eigentum über die Plattform abgesichert sind. Doch hier lohnt sich ein genauer Blick!

Zerstört der Gast etwas in der Wohnung, kommt im Regelfall dessen private Haftpflichtversicherung für den Schaden auf. Allerdings ist diese Versicherung in vielen Ländern bei weitem nicht so obligatorisch wie in Deutschland. Ein weiteres Problem: Im Nachhinein ist der Mieter nur dann ausfindig zu machen, wenn die angegebenen Daten auf den Portalen korrekt waren. Ansonsten sucht man den Schadensverursacher vermutlich vergeblich.

Aus diesem Grund hat beispielsweise Airbnb eine obligatorische Haftpflichtversicherung zu ihrem Service hinzugefügt, um so die Ängste der Gastgeber zu mindern. Mit dieser Versicherung ist nun jeder Gastgeber ohne zusätzliche Kosten bis 700.000 Euro abgesichert. Damit sollen Schäden abgedeckt werden, die der Gast am Eigentum von Nachbarn verursacht – beispielsweise, wenn er einen Wasserschaden verursacht, der auch die Wohnung darunter beschädigt. Aber auch der Vermieter ist über diese Versicherung von Airbnb geschützt, wenn sich der Gast in der Wohnung verletzt.

Auch andere Anbieter haben aufgrund der negativen Berichterstattung nachgebessert und bieten jetzt einen zusätzlichen gratis Versicherungsschutz an, obwohl sie sich immer noch lediglich als reine Vermittler sehen. Das Problem: In den Bedingungen ist meistens nicht eindeutig ersichtlich, welche Fälle von dem Versicherungsschutz gedeckt sind und wie man seine Ansprüche vernünftig geltend machen kann. Weigert sich Airbnb einen Schaden zu übernehmen, könnte es kompliziert werden – denn wer Airbnb verklagen will muss dies vor dem irischen Gericht tun.

Bei Wimdu bekommt man einen Versicherungsschutz von bis zu 500.000 Euro angeboten, allerdings findet man auf der Website nur allgemeine Informationen und keine Erklärungen, was genau abgesichert ist.

Auch bei 9flats erhält man Versicherungsschutz von bis zu 500.000 Euro. Jedoch muss im Schadensfall ein Selbstbehalt in Höhe von 250 Euro gezahlt werden.

Airbnb ist zwar großzügiger, macht aber ausdrücklich darauf aufmerksam, dass dieser Schutz nur in Ausnahmefällen zum Tragen kommt: „Die Gastgeber-Garantie ist keine Versicherung und sollte nicht als Ersatz für eine Hausrat- oder Mieterversicherung betrachtet werden.“ Ebenfalls ausgeschlossen: Bargeld und Sicherheiten, Haustiere, persönliche Haftung, gemeinsame oder geteilte Bereiche. Auch der folgende Satz lässt am Schutz durch Airbnb zweifeln: „Airbnb kann seine Zahlung der Leistungen nach seinem alleinigen Ermessen von der Feststellung abhängig machen, dass Verluste von der Versicherungspolice von Airbnb abgedeckt sind“.

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Es zeigt sich also: Die Versicherungen der Portale sind kein Ersatz für persönlichen Versicherungsschutz. Wer seine Wohnung über die Portale anbieten möchte, sollte in jedem Fall über eine private Haftpflichtversicherung verfügen sowie eine Hausratversicherung.

Allerdings ist auch an dieser Stelle Vorsicht geboten, denn sobald man als Vermieter Geld für die Untervermietung der Wohnung bekommt, handelt es sich um eine gewerblich vermietete Wohnung. Diese ist normalerweise nicht über die private Hausratversicherung abgesichert, daher sollte man vorab mit seinem Versicherungsexperten sprechen.

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Das Risiko bleibt

Betrachtet man die Millionen Nutzer von Plattformen wir Airbnb, Wimdur & Co, trifft man größtenteils auf zufriedene Gäste und Gastgeber. Nichtsdestotrotz sollte man sich des Risikos bewusst sein, das man immer eingeht, sobald man seine Haustürschlüssel an Fremde abgibt.

Daher sollte jeder Gastgeber und Gast vor dem Mieten oder Vermieten einer privaten Wohnung seinen Versicherungsschutz überprüfen, um keine böse Überraschung zu erleben. Es empfiehlt sich außerdem, sich durch eine Kaution selbst zu schützen, die man von seinen Gästen einfordert.

Übrigens: In Berlin ist es bereits verboten seine eigenen vier Wände regelmäßig auf Plattformen wie Wimdu oder Airbnb anzubieten. Das dazugehörige Gesetz ist das Gesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum. Ein einzelnes Zimmer darf allerdings noch immer bedenkenfrei angeboten werden, solange man noch selbst in seiner Wohnung lebt. Zwar hatte der Anbieter Wimdu gegen das Gesetz geklagt, doch scheint das Portal in finanziellen Nöten zu sein, wenn man aktuellen Medienberichten glauben darf.

Also Augen auf, welchen Marktplatz, welche Gäste und welche Versicherer man sich sucht.