Die Kontrollleuchte des Autos blinkt auf – zu diesem Zeitpunkt ist es meistens schon zu spät. Der Blick unter die Motorhaube verrät dann schnell den Verursacher: Ein Marder war am Werk! Was das bedeutet, erklären die Experten von Knip.

Kleine Bisspuren an Kabeln und Schläuchen, sowie zerbissene und zerfledderte Isoliermatten an der Motorhaube sind ein untrüglicher Beweis für die kleinen Nagetiere. Zwar sind die kleinen Raubtiere im Frühjahr und Sommer besonders beißfreudig, aber auch im Winter kommt es immer wieder zu Schäden am Fahrzeug, da die Tiere keinen Winterschlaf halten. Im Frühjahr und Sommer häufen sich die Schadensmeldungen, da dann Paarungszeit der Marder ist und ihr territoriales Verhalten besonders ausgeprägt. Hat sich nun also ein Marder in einer Motorhaube häuslich eingerichtet und das Fahrzeug wird bewegt und an einem anderen Standort abgestellt, kann es passieren, dass der Marder aus dem anderen Revier in den Motorraum eindringt und das fremde Territorium angreift. Es liegt also an dem ausgeprägten Revierverhalten der Tiere, dass es immer wieder zu Schäden kommt. Denn die Beschaffenheit des Motorraums kommt dem Marder als Rückzugsort sehr entgegen. Durch das Revierverhalten kommt es dann auch zu den typischen Bissspuren an den Schläuchen und Isoliermatten. Aus diesem Grund lohnt es sich während der Frühjahrs- und Sommermonate ganz besonders, sein Auto vor Mardern zu schützen.

Gefährliche Folgeschäden

Marderschäden am Auto sind keine Seltenheit: Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stieg die Zahl der Vorfälle von 175.000 im Jahr 2007 auf 233.000 im Jahr 2012. Das spiegelt sich auch in der Schadenshöhe wieder, die Kaskoversicherungen in Zusammenhang mit marderbedingten Reparaturen nennen: Diese stieg von knapp 38 Millionen Euro im Jahr 2007 auf über 60 Millionen Euro. Für das Jahr 2016 prognostizieren die Versicherungsexperten von Knip deutschlandweit eine Schadenssumme von rund 75 Millionen Euro – ein neuer Rekord. Kein Wunder, war die Marderpopulation in den 50er-Jahren durch Jagd fast an die Grenze des Aussterbens dezimiert. Seitdem hat sich die Population jedoch erholt und der Marder fühlt sich in Gesellschaft des Menschen mehr als wohl. Auch ist das Problem längst nicht mehr auf ländliche Gebiete beschränkt: Da der Marder nachtaktiv ist und sehr flexibel in seiner Ernährung, ist der Marder mittlerweile fester Bestandteil der städtischen Fauna. Mildes Klima und reichliche Nahrungsangebote in den Städten machen den urbanen Raum zu einem immer beliebteren Revier.

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Fast noch schlimmer als die offensichtlich zerfledderten Isoliermatten und angebissenen Schläuche können jedoch die Folgeschäden sein: Hat der Marder beispielsweise einen Kühlmittelschlauch durchgebissen, kann dies zur Überhitzung des Motors führen. Im schlimmsten Fall muss dann der gesamte Motor ausgetauscht werden. Zusammen mit dem Einbau können die Kosten schnell in den fünfstelligen Bereich rutschen.

Die Kfz-Versicherung zahlt? Leider nicht immer!

Wer sich vor den Kosten, die ein Marderbiss verursachen kann, schützen möchte, der muss auf den richtigen Versicherungsschutz achten: Denn die normale Kfz-Haftpflichtversicherung, die in Deutschland für jedes angemeldete Auto Pflicht ist, übernimmt solche Schäden nicht. Lediglich in der Teil- und Vollkaskoversicherung kann man Marderbiss in den Versicherungsbedingungen einschließen. Vorausgesetzt wird dieser Zusatz oftmals aber nicht.

„Bei einer Teilkaskoversicherung, in der der Marderbiss zwar versichert ist, aber auch eine Selbstbeteiligung vereinbart wurde, zahlt der Versicherte die Schäden meistens selbst“, erklärt Versicherungsexperte Jonathan Schmidt von Knip. Es sei denn, es kommt zu teuren Folgeschäden. Diese sind jedoch, sowohl in der Teilkasko- als auch der Vollkaskoversicherung nur dann versichert, wenn neben Marderbiss auch Folgeschäden miteingeschlossen sind. Andernfalls bleibt der Versicherte auf den hohen Reparaturkosten sitzen.

Verbrauchertipps: So schützt du dein Auto vor Marderbiss

Auch wenn du über eine Versicherung verfügst, die die Schäden und Folgeschäden von Marderbiss am Auto übernimmt, so ist es doch immer ärgerlich, sein Auto in der Werkstatt abgeben zu müssen. Deshalb empfiehlt es sich, ein wenig in die Prävention zu investieren. Wir haben daher für dich die beliebtesten Tipps untersucht, wie du dein Auto vor den Marderattacken schützen kannst – effektiv oder nicht?

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1.     Regelmäßige Motorwäsche

Wie bereits erläutert, zeigt sich der Marder besonders beißwütig in den Frühlings- und Sommermonaten, wenn Paarungszeit ist. Sein ausgeprägtes Revierverhalten kann sich dann gegen den Motorraum von abgestellten Fahrzeugen richten, wenn ein Männchen die Geruchsspur eines Rivalen feststellt. Hier können regelmäßige Motorwäschen von Fachleuten durchgeführt, helfen, die Gerüche, Haare und Fäkalien der Tiere zu entfernen. So wird der Motorraum wieder zu neutralem Terrain und provoziert keine Revierkämpfe.

Effekt: Guter Schutz, muss aber regelmäßig wiederholt werden.

2.     Duftstoffe

Von diesem Tipp liest man immer wieder: Angeblich lassen sich Marder mit Duftstoffen und unangenehmen Gerüchen vertreiben. Allerdings gewöhnen sich die Tiere in kurzer Zeit bereits an den Geruch und ignorieren ihn geflissentlich. Auch Urinstein, Katzenhaare oder Hundehaare machen da in der Regel keine Ausnahme, da die Marder eher geruchsunempfindlich sind.

Effekt: Wenig effektiv und aufwändig.

3.     Ultraschall „Marder-Schreck“

Ein spezielles Ultraschallgerät wird ins Auto gelegt und soll so die Marder durch die unangenehmen Geräusche abschrecken. Der Nachteil: die Tiere gewöhnen sich schnell an die Geräuschkulisse.

Effekt: Mittelmäßiger Schutz, der nicht lange anhält.

4.     Kabelschutz

Kabel kann man auch mit speziellen Ummantelungen schützen, die man in Zubehörhandel findet. Diese Methode hilft jedoch nicht bei Schläuchen und Achsmanschetten.

Effekt: Mittelmäßiger Schutz, der nicht überall angewendet werden kann und mit hohen Installationskosten verbunden ist!

5.     Maschendraht/Lochblech

Ebenfalls eine beliebte Methode: Einfach alle Eingänge mit speziellen Lochblechen und Maschendraht zu verschließen. Hierbei muss man jedoch sehr sorgfältig sein, denn lässt man an der falschen Stelle zu viel Platz, sucht sich der Marder einfach einen neuen Weg. Manche Auto-Hersteller bieten solche Möglichkeiten zum Nachrüsten gleich zum Verkauf an. Jedoch sind diese vorgefertigten Marder-Kits nicht für jedes Automodell verfügbar.

Effekt: Passabler Schutz, aber teuer oder umständlich.

6.     Elektroschocker/Hochspannungsgeräte

Am effektivsten hat sich bisher die Lösung mit dem Elektroschocker erwiesen. Dabei werden an speziellen Einstiegsstellen, an denen die Marder in den Motorraum eindringen, spezielle Metallplatten montiert, die vom Auto unter Spannung gesetzt werden. Berührt in Marder beim Eindringen eine dieser Metallplatten, bekommt er einen unangenehmen Stromschlag versetzt. Dieser ist jedoch lediglich so stark, um den Marder abzuschrecken– Verletzungen erleidet das Tier dadurch nicht.

Effekt: Guter Schutz, teuer und vergleichsweise aufwändig. Nichts für Tierfreunde!


 

Für das Jahr 2016 prognostizieren die Versicherungsexperten von Knip deutschlandweit eine Schadenssumme von rund 75 Millionen Euro – ein neuer Rekord.


Rekord-Schäden: Auch die Anzahl der Umfälle mit Wildtieren nimmt landesweit zu

Rund 260.000 Unfälle verursachen einen seit 10 Jahren steigenden Schaden

Auch die Zahl der Wildtierschäden ist gestiegen: Nach Branchenangaben erreicht sie den Höchststand von über 600 Millionen Euro in Deutschland. Besnders die dunkle Jahreszeit gilt als gefährlich.

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