Es gibt freiwillige, Zusatz- und Pflichtversicherungen; manche sind ziemlich unnötig und andere zwingend notwendig – Und doch haben sie alle etwas gemein: Versicherungen sollten individuell an die jeweiligen Bedürfnisse und Lebensumstände des Verbrauchers angepasst sein. Und genau hier liegt das Problem: Denn kennt der Verbraucher seine eigenen Bedürfnisse nicht, kann er bedrohlich unterversichert sein. Die Knip-Experten erklären, worauf es ankommt und was im Fall der Fälle zu tun ist.

Der Begriff Unterversicherung stammt aus dem Bereich der Sachversicherungen. Konkret bezieht er sich auf den Wert einer versicherten Sache. Ist dieser höher, als die Versicherungssumme, so ist der Versicherungsnehmer unterversichert. Daran kann Unwissenheit schuld sein oder auch die Fehleinschätzung des Sachwertes. Oftmals resultiert eine Unterversicherung aber auch aus der Sparmotivation der Verbraucher. Um niedrigere Prämien zahlen zu müssen, wird die Versicherungssumme bei Abschluss absichtlich gering gehalten. Klingt erstmal schlau, hat jedoch mehr Haken als Vorteile.

Denn dies ist sehr riskant, da es im Schadensfall passieren kann, dass die Schadenssumme durch den Versicherer nur anteilig erstattet wird. Denn gemäß § 75 VVG sind die Versicherer dazu berechtigt, im Falle einer erheblichen Unterversicherung die Leistung gemessen am Verhältnis von Versicherungssumme zu Versicherungswert zu kürzen.

Dort heißt es wörtlich: „Ist die Versicherungssumme erheblich niedriger als der Versicherungswert zur Zeit des Eintrittes des Versicherungsfalles, ist der Versicherer nur verpflichtet, die Leistung nach dem Verhältnis der Versicherungssumme zu diesem Wert zu erbringen.“

Wonach richtet sich dann die Kürzung der Leistung durch den Versicherer? Hierbei gilt als Grundlage folgende Formel:

Entschädigung = (Schaden x Versicherungssumme) / Versicherungswert

Beispiel Hausratversicherung:

Versicherungssumme: 50.000 Euro
Versicherungswert: 80.000 Euro
Schaden: 15.000 Euro

In diesem Fall ist der Kunde erheblich unterversichert. Der Versicherer kann die Entschädigung kürzen und muss im Schadensfall nur noch (15.000 Euro x 50.000 Euro) / 80.000 Euro) = 9.375 Euro bezahlen.

Nur dank der sogenannten Vorsorgeklausel, die in den meisten Versicherungen enthalten ist, erhöht sich die Versicherungssumme um 10 Prozent, sodass die Entschädigungshöhe dann wie folgt berechnet wird:

Entschädigung = Schaden x (Versicherungssumme + 10 %) / Versicherungswert

Unterversicherung vermeiden

Versicherungsexperte Peer Piegert erklärt: „Vermeiden lässt sich eine Unterversicherung entweder durch eine ausreichend hohe Versicherungssumme, oder in dem man in seinen Verträgen einen Unterversicherungsverzicht einschließt.“ Gleichzeitig muss man jedoch darauf achten, dass man die Summe nicht zu hoch anzusetzen, sonst kann eine Überversicherung drohen. Diese hat überhöhte Prämienzahlungen an den Versicherer zur Folge.

Unterversicherungsverzicht bei pauschaler Berechnung

Einfacher als den Wert des Hausrates zu prüfen, ist es, eine Versicherung mit einer pauschalen Absicherung abzuschließen. Beim gängigen Quadratmeter-Modell wird jeder Quadratmeter der Wohnung pauschal meist mit 650 Euro versichert. Eine Wohnung mit 80 Quadratmetern kommt somit auf die Versicherungssumme von 52.000 Euro. Die Regel passt auf die meisten durchschnittlichen Haushalte. Auch die Versicherer bevorzugen diese Pauschale, weil sie den Verwaltungsaufwand für sie deutlich reduziert.

Das Quadratmetermodell hat den Vorteil, dass Versicherungen in der Regel eine Unterversicherung im Vertrag ausschließen. Das bedeutet: Ist der Hausrat mehr wert als mit der Pauschale berechnet, ersetzen sie trotzdem den vollen Schaden, statt ihn anteilig zu berechnen. In den Versicherungsbedingungen heißt diese Klausel „Unterversicherungsverzicht“.

Haben Versicherungen diese Klausel in der Police, ersetzen sie den Schaden in voller Höhe, sofern folgende drei Bedingungen erfüllt sind:

• Bei Eintritt des Versicherungsfalles entspricht die tatsächliche Wohnfläche dem in der Police eingetragenen Wert.

• Die vereinbarte Versicherungssumme ist höher als oder gleich der pauschalen Versicherungssumme.

• Es gibt keine weitere Hausratpolice für denselben Versicherungsort ohne Unterversicherungsverzicht (zum Beispiel bei Paaren, die zusammengezogen sind)

Menschen, die einen sehr hochwertigen Haushalt besitzen, sollten die Versicherungssumme trotz Unterversicherungsverzicht entsprechend erhöhen. Denn bei einem Totalschaden ersetzt die Hausratversicherung trotz allem höchstens die maximale Versicherungssumme.