Ein kleines Missgeschick und schon ist der Schaden gewaltig. Das gilt sowohl, wenn der Mitarbeiter aus Versehen den teuren Laptop fallen lässt, als auch umgekehrt: Der Kollege stolpert über ein Kabel im Büro und bricht sich das Handgelenk. Unfälle, Pannen und Ausrutscher an der Arbeitsstelle sind alltäglich. Was solche Arbeitsunfälle für Mitarbeiter und Arbeitgeber bedeuten, erklären die Versicherungsexperten von Knip.

Haben Unternehmen Schadenersatzanspruch gegenüber ihren Mitarbeitern?

Autsch: Der Dienstwagen wird beschädigt, ein Arbeitslaptop zerstört, oder ein Mitarbeiter der IT-Abteilung verursacht einen teuren Systemabsturz. Solche Szenarien treten häufig auf und theoretisch ist die Haftungssituation eindeutig: Wie im Alltag gegenüber Fremden haftet auch der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber, wenn er dessen Eigentum beschädigt. Daher ist eine Haftpflichtversicherung so enorm wichtig: Die Privathaftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die der Versicherungsnehmer Dritten zufügt. Dazu gehören Sachschäden, Personenschäden und Vermögensschäden.

Mildere Haftung für Schäden im Arbeitsleben

Jedoch haben Gerichte mit der Zeit einige Kriterien entwickelt, die eine mildere Haftung im Arbeitsleben gewährleisten. Dies ist damit begründet, dass Arbeitnehmer in der Regel keinen Einfluss darauf haben wie ihr Arbeitsumfeld organisiert ist. Falls also etwas passiert, könnte der Grund ja außerhalb ihres Einflussbereichs liegen.

Ein weiterer Faktor: Es gibt riskante und gefährliche Tätigkeiten, denen der Arbeitnehmer nachgehen muss. Für die wird er jedoch nicht annähernd gut genug bezahlt wird, um eventuelle Schäden tragen zu können, falls etwas passiert.

Das vermutlich bekannteste Beispiel: Ein Hausmeister an der Kunstakademie Düsseldorf zerstörte 1986 ein Kunstwerk des Künstlers Joseph Beuys. Das Werk „Die Fettecke“ bestand aus einem Klumpen Butter in der Ecke eines Ausstellungsraumes. Versehentlich wischte nach Schließung des Hauses der Hausmeister den vermeintlichen Dreck weg und zerstörte damit ein teures Kunstwerk, das er schlicht nicht als solches erkannt hatte. Und nun – wer zahlt? Ein klarer Fall: Hier musste nicht etwa der Hausmeister für den Schaden aufkommen, sondern das Land Nordrhein-Westfalen. Es zahlte den Beuys-Erben in einem Vergleich in zweiter Instanz 40.000 D-Mark an Schadensersatz.

Unfälle an der Arbeitsstelle: Auf die Fahrlässigkeit kommt es an

Heutzutage haben die Gerichte die Haftung verteilt, je nachdem, wie fahrlässig der Verursacher gehandelt hat. Kann dir als Angestelltem lediglich leicht fahrlässiges – also ein schusseliges Verhalten nachgewiesen werden, so bist du in der Regel nicht haftbar und musst deine Privathaftpflichtversicherung auch nicht bemühen. Das bedeutet, der Arbeitgeber bleibt auf dem entstandenen Schaden sitzen.

Das gleiche gilt, wenn man dem Mitarbeiter weder die Verursachung des Schadens, noch seine Schuld nachweisen kann. Bleibt ein Zug aus technischen Gründen auf halber Strecke liegen, so haftet der Lokführer nicht für Reparatur und Fahrkartenerstattung an die Reisenden. Der Arbeitgeber ist in solchen Fällen in der Beweispflicht.

Kann dem Arbeitnehmer ein fahrlässiges Verhalten nachgewiesen werden, wird es in Quoten unterteilt, um die Schwere der Fahrlässigkeit besser einordnen zu können. Dabei spielt etwa eine Rolle, ob der Arbeitnehmer schon früher unvorsichtig gehandelt hat oder ob seine Tätigkeit im Unternehmen besonders anspruchsvoll und kompliziert war. Auch wenn das Unternehmen ein Mitverschulden trifft, etwa, weil es seine Arbeitnehmer unzureichend geschult hat, verschiebt sich die Haftung weiter zugunsten des Mitarbeiters. Eng wird es bei grober Fahrlässigkeit. Grob fahrlässig oder gar vorsätzlich verursachte Schäden zahlt der Mitarbeiter in der Regel selbst oder zumindest den weitaus größeren Anteil.

Bei Arbeitsunfällen zahlt die gesetzliche Unfallversicherung

Digitale BananeArbeitsunfälle sind nicht allein auf körperlich anstrengende Arbeiten beschränkt, sondern ereignen sich auch häufig in Büros. Es ist die Aufgabe des Arbeitgebers Mitarbeiter ausreichend zu schützen. Beispielsweise indem Rettungszeichen im Büro auf Risiken hinweisen und Arbeits- und Fluchtwege freigehalten werden.

Kommt es trotz Arbeitsschutzmaßnahmen zu einem Arbeitsunfall sind Arbeitnehmer automatisch per Gesetz über den Arbeitgeber versichert. Jeder Angestellte muss von seinem Arbeitgeber bei einer Krankenkasse, bei der gesetzlichen Rentenversicherung und darüber hinaus bei der zuständigen Berufsgenossenschaft angemeldet werden. Die Beiträge für die Krankenkasse und gesetzliche Rentenversicherung teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Kosten für die Berufsgenossenschaft oder einen anderen Unfallversicherungsträger trägt ausschließlich der Arbeitgeber.

Kommt es zu einem Arbeitsunfall muss sich der Verletzte als erstes in ärztliche Behandlung begeben. Nach der Erstversorgung findet die Weiterbehandlung in der Regel jedoch nicht durch den Hausarzt statt, sondern durch einen sogenannten Durchgangsarzt. Der ist spezialisiert auf Arbeitsunfälle und extra für diese zugelassen. So sollte er in aller Regel am besten entscheiden können, welche weiteren Maßnahmen nötig sind, um die Arbeitskraft des Angestellten wieder vollständig herzustellen. Begibt man sich nicht in die Behandlung durch den Durchgangsarzt, kann es schnell zum Streit um die Kosten kommen. Für Arbeitsunfälle sind nämlich nicht die Krankenkassen zuständig und das Recht auf freie Arztwahl gilt hier nur eingeschränkt.

Wer mit dem Gedanken spielt Schadensersatz, Schmerzensgeld oder dergleichen zu verlangen, sollte bedenken, dass die Berufsgenossenschaft so etwas grundsätzlich nicht zahlt und das Gesetz dabei voll auf ihrer Seite hat. Höchstens der Arbeitgeber oder ein, den Unfall verursachender Kollege kann eventuell auf Schadensersatz verklagt werden. Jedoch sind beide in Ihrer Haftung stark eingeschränkt und könnten nur haftbar gemacht werden, wenn man ihnen grobe Fahrlässigkeit nachweisen könnte. Beispiel: Stellt ein Kollege einem anderen ein Bein und dieser erleidet einen Schaden, so wird er unter Umständen Schadensersatz und Schmerzensgeld zahlen müssen.

Arbeitsunfall bei Freiberuflern und Selbstständigen – Wer zahlt?

Ähnlich verhält es sich, wer selbständig oder freiberuflich tätig sind. Auch dann können sich Selbstständige bei der Berufsgenossenschaft gegen die Folgen eines Arbeitsunfalls selbst absichern. Der Unterschied: Bis auf wenige Ausnahmen ist man nicht per Gesetz dazu verpflichtet und auch die Höhe der Versicherungssumme kann selbst ausgehandelt werden.

Wer sich nicht über die Berufsgenossenschaft versichert kann im Fall eines Arbeitsunfalls eventuell auch Leistungen von der Krankenkasse beziehen. Das kommt jedoch auf den jeweils gewählten Tarif an.

Ansprüche der Versicherten bei Arbeitsunfällen

Nach einem Arbeitsunfall haben die Versicherten Anspruch gegen die gesetzliche Unfallversicherung, die insbesondere durch die Berufsgenossenschaften repräsentiert wird. Unter anderem auf Heilbehandlung, einschließlich Leistungen der medizinischen Rehabilitation, berufsfördernde, soziale und ergänzende Leistungen zur Rehabilitation, Leistungen bei Pflegebedürftigkeit, Geldleistungen, insbesondere Verletztengeld und Verletztenrente.

Solange diese Ansprüche bestehen, haben krankenversicherte Arbeitnehmer keine Ansprüche gegen ihre Krankenkasse. Da in der betrieblichen Praxis häufig erst geklärt werden muss, ob ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit vorliegen, tritt die Krankenkasse häufig mit (Behandlungs-)Leistungen in Vorlage und fordert das Geleistete später von der zuständigen gesetzlichen Unfallversicherung zurück. Dasselbe gilt umgekehrt für den Fall, dass die gesetzliche Unfallversicherung zunächst Leistungen erbringt, weil von einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit ausgegangen wird. Stellt sich später heraus, dass tatsächlich kein Arbeitsunfall oder keine Berufskrankheit vorliegt, dann hat der gesetzliche Unfallversicherungsträger Ersatzansprüche gegen die Krankenkasse.

Arbeitgeber führen Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung ab

Gute Nachrichten für alle, die fest angestellt sind: Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet für seine Arbeitnehmer Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung als Zwangsversicherung abzuführen. Damit sind zum einen die Arbeitnehmer gegen die Folgen eines Arbeitsunfalls versichert. Zum anderen können die Arbeitnehmer aufgrund gesetzlicher Regelungen in diesen Fällen keine Ansprüche gegen den Arbeitnehmer oder – falls Kollegen an dem Arbeitsunfall Schuld sind – Arbeitskollegen stellen.


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“Kommt es trotz Arbeitsschutzmaßnahmen zu einem Arbeitsunfall sind Arbeitnehmer automatisch per Gesetz über den Arbeitgeber versichert.”