Knip

Krankenversicherung – Privat oder gesetzlich?

Wenn wir Fieber haben, gehen wir zum Arzt, lassen uns untersuchen und ein Medikament verschreiben. Schwangere erhalten eine umfassende Vor- und Nachsorge. Und nach einem Unfall werden wir im Krankenhaus behandelt. Die Krankenversicherung (KV) sorgt dafür, dass uns diese Dinge nicht finanziell aus der Bahn werfen und sichert das Wichtigste ab, das wir haben: Unsere Gesundheit. Die Krankenversicherung erstattet Versicherten bei Krankheiten, Schwangerschaft und nach einem Unfall zumindest teilweise die Behandlungskosten.

Das deutsche Gesundheitssystem besteht aus Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung, Pflegeversicherung und der gesetzlichen Krankenversicherung. Spricht man ganz allgemein von Krankenversicherung, dann meint man normalerweise die gesetzliche Krankenversicherung. Sie ist seit Einführung der Allgemeinen Krankenversicherungspflicht 2009 für alle Personen verpflichtend, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Sie müssen sich bei einem in Deutschland zugelassenen Krankenversicherer versichern.

Im Umkehrschluss heißt das, dass gesetzliche Krankenversicherungen eine Aufnahmeverpflichtung für Personen haben, die der gesetzlichen Krankenversicherung zugeordnet sind.

Asylbewerber und Empfänger von Sozialhilfe brauchen eine elektronische Gesundheitskarte, um Leistungen aus der Krankenversicherung erhalten zu können. Diese werden mithilfe von Steuergeldern gezahlt.

Expertenzitat

"Wer über ein hohes Einkommen verfügt und in die private Krankenversicherung wechseln will, sollte bedenken: Viele Versicherer bieten einen Selbstbehalt an. Dadurch sind die monatlichen Versicherungsbeiträge etwas günstiger. Im Krankheitsfall werden Behandlungskosten dann aber erst ab einem bestimmten Wert von der Krankenversicherung übernommen. Man sollte gut überlegen, welche finanziellen Möglichkeiten man hat, also ob und in welcher Höhe ein Selbstbehalt im Ernstfall tragbar wäre"

Maximilian Bormann, Versicherungsexperte bei Knip
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Welche Formen von
Krankenversicherungen gibt es?

Private Krankenversicherung

Anders als die gesetzliche Krankenversicherung ist die private Krankenversicherung freiwillig. Allerdings kann hier keine Familienversicherung abgeschlossen werden. Jedes Familienmitglied benötigt eine eigene Mitgliedschaft und zahlt Beiträge. Das liegt daran, dass die monatlichen Beiträge nicht pauschal oder nach dem Einkommen bemessen werden. Sie richten sich neben dem gewünschten Leistungsumfang nach den individuellen Risiken des Versicherungsnehmers. Dazu zählen Alter, Gesundheitszustand und Geschlecht des Versicherten. Daher müssen alle Versicherten eine Gesundheitsprüfung machen; fällt diese schlecht aus, kann der Versicherer hohe Beiträge verlangen oder eine Mitgliedschaft sogar ablehnen.

Allerdings ist auch das Gegenteil möglich: Ist das Krankheitsrisiko eines Antragstellers gering, kann er darauf hoffen, für eine vergleichsweise günstige Versicherungsprämie ein umfangreicheres Leistungspaket zu erhalten. Der Beitrag steigt allerdings mit zunehmendem Alter.

Wechsel von der gesetzlichen in die private Versicherung

Nicht jeder kann von der gesetzlichen in die private Krankenkasse wechseln. Der Antragsteller muss ein bestimmtes Einkommen erreichen, bevor er eine Aufnahme in die private Krankenkasse beantragen kann. Auch ein späterer Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse unterliegt bestimmten Bedingungen. Das Einkommen muss beispielsweise langfristig unter der Einkommensgrenze für die private Krankenversicherung liegen. Darüber hinaus dürfen nur Versicherte, die arbeitslos werden oder von der Selbstständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln, in die GKV wechseln.

Versicherte ab dem 55. Lebensjahr können nicht zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, wenn sie bereits länger als fünf Jahre privat versichert sind oder ihr Ehepartner mindestens 2,5 Jahre lang nicht versicherungspflichtig war.

Mit der Begrenzung soll dafür gesorgt werden, dass junge Versicherte sich nicht in der privaten Krankenversicherung versichern und von einem hohen Leistungsumfang zu relativ niedrigen Prämienzahlungen profitieren, im Alter, also mit steigenden Beiträgen, dann aber in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, in die sie nichts eingezahlt haben. Dies ginge entgegen des Solidarsystems.

Übrigens: Bei Angestellten übernimmt der Arbeitgeber einen Teil der Kosten für die private Krankenversicherung, maximal jedoch so viel wie er für einen gesetzlich versicherten Angestellten zahlt.

Ein wichtiger Unterschied zwischen gesetzlich und privater Krankenversicherung ist, dass die PKV nicht per Gesetz dazu angehalten ist, bei der Behandlung von Krankheiten und der Vorsorge nur die nötigen Maßnahmen abzudecken. Das heißt, dass Versicherte Leistungen in Anspruch nehmen können, die gesetzlich Versicherte selbst zusätzlich zahlen müssten. Dazu zählt beispielsweise die Unterbringung in einem Einzelzimmer im Krankenhaus und die Behandlung durch einen Chefarzt statt durch den Stationsarzt.

Außerdem gilt bei der PKV, anders als bei der GKV, das Verursacherprinzip. Das heißt, dass die Versicherung des Verursachers die Gesamtkosten erstattet. Die gesetzliche Krankenversicherung deckt hingegen nur die Behandlungskosten des Versicherten.

Ein wesentlicher Unterschied jedoch ist, dass Privatversicherte in der Regel alle Kosten vorab selbst bezahlen müssen. Sie bekommen also vom Krankhaus, dem Hausarzt oder einem Facharzt eine Rechnung, die sie dann bei ihrer Krankenkasse einreichen und erstattet bekommen. Privatversicherte sollten also auf ausreichende Liquiditätsreserven auf dem Konto achten, da Behandlungskosten oder anteilige Behandlungskosten schnell teuer werden können.

Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung können private Krankenzusatzversicherungen abschließen, um sich gegen Risiken abzudecken, die nicht in der GKV gedeckt sind.

Normalerweise muss sich der gesetzlich Versicherte an den Kosten bestimmter Behandlungsmaßnahmen beteiligen. Eine private Krankenzusatzversicherung deckt diese Lücke und kommt für festgelegte Maßnahmen zumindest teilweise auf.

Zu unterscheiden sind die Zusatzversicherung für ambulante Zusatztarife wie Zuschüsse zu Medikamenten, Brillen, Hörgeräten, Vorsorgeuntersuchungen, die Zusatzversicherung für stationäre Wahlleistungen wie die Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus oder eine freie Arztwahl, Krankentagegeld für eine Krankschreibung ab sechs Wochen sowie Pflegezusatz. Darüber hinaus kann man auch eine private Zahnzusatzversicherung abschließen.

Zahnzusatzversicherung

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Kosten für Zahnersatz und Zahnbehandlungen oft nur teilweise. Der Anteil der vom Versicherten selbst zu tragenden Kosten ist in der Regel sehr hoch. Mit einer Zahnzusatzversicherung lässt sich diese Lücke verkleinern.

Darüber hinaus kommt sie auch für weitergehende Leistungen teilweise auf. Zahnzusatzversicherte können beispielsweise die Kosten für eine Keramikfüllung bei der Versicherung geltend machen und müssen die Kosten dafür dann nicht oder nur teilweise tragen. Ohne diese Zusatzversicherung müssten sie für die gesamten Kosten aufkommen, da die gesetzliche Krankenkasse nur eine Amalgamfüllung abdecken würde. Auch weitergehende Leistungen in den Bereichen Prophylaxe oder Kieferorthopädie können von der Zahnzusatzversicherung gedeckt werden.

Die Beiträge für die Zahnzusatzversicherung können im Laufe der Jahre steigen, beispielsweise, weil die Behandlung teurer wird. Einige Versicherer bieten eine sogenannte Altersrückstellung für die Versicherungsprämie an. Der Versicherungsnehmer zahlt dann von Anfang an relativ hohe monatliche Beiträge, die im Alter jedoch nicht stark steigen.

Andere Versicherer bieten Versicherten zunächst relativ günstige Beiträge, die jedoch mit zunehmendem Alter des Versicherten steigen. Daher sollte man bei der Wahl der richtigen Zahnzusatzversicherung unbedingt die langfristige Beitragshöhe berechnen und sich beraten lassen, welche Option die beste für die individuellen Bedürfnisse ist. Es ist wichtig, nicht nur die Prämien miteinander zu vergleichen, sondern auch die Leistungen, die von dem jeweiligen Versicherer abgedeckt werden.

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Worauf muss ich bei einer
Krankenversicherung achten?

Zwar muss man sich in Deutschland krankenversichern. Man hat allerdings die Wahl, bei welchem Versicherer man das tun möchte. Gesetzlich Versicherte können von dem Wettbewerb unter verschiedenen Anbietern profitieren und können ein sinnvolles Leistungspaket zu guten Konditionen finden. Da die gesetzliche Krankenversicherung das Prinzip der Wirtschaftlichkeit verfolgt, hat sie die Aufgabe, den Gesundheitszustand der Versicherten "zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern". Die Behandlung wird also nur dann von der Krankenkasse übernommen, wenn sie das medizinisch Notwendige abdeckt und nicht darüber hinaus geht. Dies gilt auch für die Wahl des Medikaments, weshalb häufig statt der Original-Markenprodukte günstigere Generika zum Einsatz kommen, die jedoch genau so wirksam sind.

Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung variiert je nach Anbieter, bemisst sich generell jedoch am Einkommen des Versicherungsnehmers, da die GKV auf dem Solidaritätsprinzip beruht. Jeder hat, unabhängig von der Höhe der Beitragszahlung, dem Alter oder der Krankengeschichte Anspruch auf die Leistungen aus der Versicherung.

Nach dem Umlageverfahren werden die Beiträge auf diejenigen umgelegt, die eine Behandlung brauchen. Die Krankenkassen haben daher das Recht, die Beiträge zu erhöhen, um diesen Bedarf zu decken. In einem solchen Fall haben Versicherungsnehmer aber ein Sonderkündigungsrecht. Sie müssen bei einer Beitragserhöhung also nicht auf die Kündigungsfrist warten, sondern können ihren Versicherungsvertrag sofort kündigen.

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Die wichtigsten
Fragen

Was muss ich bei Abschluss einer privaten Krankenversicherung beachten?

Vor Abschluss einer privaten Krankenversicherung sollte man sichergehen, dass man die Beiträge auch langfristig tragen kann. Am besten bespricht man sich mit seinem Berater. Bei der Antragstellung auf Aufnahme in die private Krankenversicherung gilt: Sehr genau vorgehen! Falschangaben können im Ernstfall geprüft werden und zur Annullierung des Vertrags führen. Die Krankenversicherung würde dann also nicht die Behandlungskosten etc. tragen. Auch durch das Weglassen von Informationen, vorsätzlich oder versehentlich, lassen sich auf den ersten Blick zwar Beiträge sparen; braucht man dann jedoch seine Versicherung, kann es sein, dass diese die Zahlung verweigert. Darüber hinaus hat der Versicherer, auch viele Jahre nach Vertragsabschluss, noch das Recht, vom Vertrag zurückzutreten. Dann wären alle bis dato gezahlten Beiträge hinfällig.

Zahlt meine Krankenversicherung auch im Ausland?

Gute Nachrichten für alle Reiselustigen: Der Schutz durch die gesetzliche Krankenkasse gilt grundsätzlich in allen EU-Ländern sowie Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat! Das Bundesministerium für Gesundheit bietet eine Liste aller Staaten, mit denen das der Fall ist. Allerdings stehen Versicherungsnehmern im Ausland nur die Behandlungen zur Verfügung, die in dem jeweiligen Land gängig sind. Vor allem Zahnbehandlungen unterscheiden sich jedoch von Land zu Land. Außerdem decken einige Krankenkassen nur Kosten bis zu dem in Deutschland üblichen Wert. Was passiert darüber hinaus? Die Differenz muss der Versicherungsnehmer selbst zahlen! Deshalb schließen auch viele Menschen aus gutem Grund eine Auslandskrankenversicherung ab, die je nach Risiko einen wertvollen zusätzlichen Schutz darstellen kann.

Die private Krankenversicherung übernimmt bei Unfällen oder Erkrankungen im Ausland meist nur die Notfallbehandlung vor Ort. Andere Behandlungen müssen in Deutschland vorgenommen werden. Der Rücktransport wird nur selten von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen übernommen. Unbedingt darauf achten, dass der Rücktransport übernommen wird, wenn er "medizinisch sinnvoll" ist und nicht nur, wenn er "medizinisch notwendig" ist, da eine medizinische Notwendigkeit nur schwer nachweisbar ist.

Ich bin Student. Worauf muss ich bei Abschluss einer Krankenversicherung achten?

Generell sind Studenten bis zum 26. Lebensjahr in der Familienversicherung ihrer Eltern mitversichert. Dies gilt allerdings nur, wenn der Student ein monatliches Einkommen von maximal 450 Euro nicht überschreitet. Verdient man ein paar Wochen lang mehr, beispielsweise, weil man in den Semesterferien ganztags jobbt, wird dies über das Jahr verrechnet.

Verdient man mehr im Monat oder ist älter als 25, muss man selbst eine Krankenversicherung abschließen. Dazu steigt man in die studentische Krankenversicherung ein. Der monatliche Beitrag dafür liegt bei etwa 80 Euro monatlich für Studenten, ist also in der Regel verkraftbar. Ab dem 30. Lebensjahr oder nach sieben Jahren Studium, also 14 Semestern, müssen sich Studenten freiwillig gesetzlich versichern. Dann werden rund 130 Euro monatlich zuzüglich eines Zusatzbeitrags und eines Pflegeversicherungsbeitrags fällig. Ab dem 30. Lebensjahr darf man sich nicht mehr in der studentischen Krankenversicherung versichern.

Für Kinder von Beamten ist es sinnvoll, sich privat zu versichern statt in der studentischen Krankenversicherung, da sie einen staatlichen Zuschuss zum monatlichen Beitrag erhalten. Natürlich steht dies prinzipiell allen Studierenden offen. Allerdings will dieser Schritt gut überlegt sein. Die Leistungen, die Studenten mit gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungen erhalten, unterscheiden sich nicht so stark. Außerdem dürfen privat versicherte Studenten nicht in eine gesetzliche Krankenkasse wechseln, wenn sie sich selbstständig machen oder freiberuflich arbeiten wollen. Man sollte sich also gut beraten lassen, bevor man eine Entscheidung trifft.

Das Risiko

Egal ob Krankheit oder Schwangerschaft, Behandlungskosten, Check-ups und Medikamente können ganz schön teuer werden. Die Krankenversicherung sorgt dafür, dass uns diese Dinge nicht finanziell aus der Bahn werfen und sichert das Wichtigste ab, das wir haben: Unsere Gesundheit.

Dein Vorteil

Krankenversicherungen übernehmen zahlreiche Leistungen, wie Früherkennungsuntersuchungen von Krankheiten, zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlungen, die Versorgung mit Arzneimitteln, die Kosten für die häusliche Krankenpflege sowie zwahlreiche weitere.

Unser Tipp

Wer sich nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichern muss, hat die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Am besten bestimmt man gemeinsam mit seinem Berater zunächst die individuellen Bedürfnisse und verschafft sich einen Überblick über mögliche Leistungen und Beiträge der beiden Varianten sowie verschiedener Anbieter.