Abgeschlossene Familienplanung: Ist eine Vasektomie der richtige Schritt?

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Für die meisten Paare stellt sich über kurz oder lang die Frage, ob sie Kinder bekommen wollen oder nicht.  Für manche passen Kinder nicht in das Lebenskonzept und sie sind ohne glücklicher, andere finden in der Elternschaft die größte Erfüllung. Doch auch dann ist nach dem zweiten, dritten oder vierten Kind häufig der Punkt erreicht, an dem keine weiteren Kinder mehr gewünscht werden. Ist die Familienplanung abgeschlossen, stellt sich die Frage, wie eine (weitere) Schwangerschaft zuverlässig verhütet werden kann. Es gibt eine Fülle an Verhütungsmethoden, doch es ist nicht leicht, die individuell passende zu finden. Ist eine Vasektomie möglicherweise der richtige Schritt?

Verhütungsmethoden im Überblick

Kondome sind zwar sicher, in einer monogamen Langzeitbeziehung aber eher unbeliebt. Ein Schutz vor Geschlechtskrankheiten wird in der Regel nicht benötigt, sie sind teuer und hemmen für viele das Empfinden. Zudem kann es zu Verhütungspannen kommen, wenn das Kondom reißt oder abrutscht. Hormonelle Verhütung galt jahrzehntelang als besonders sicher und gleichzeitig komfortabel, seit einiger Zeit werden jedoch immer mehr kritische Stimmen laut. Viele Frauen berichten von Nebenwirkungen und Risiken durch Pille, Hormonspirale und Co. und möchten lieber darauf verzichten. Deshalb wird die Kupferspirale immer beliebter, welche anstelle von Hormonen Kupfer-Ionen abgibt. Sie wird in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort – je nach Modell – 3 bis 10 Jahre verbleiben und für eine sichere Verhütung sorgen. Nachteilig ist, dass die Kupferspirale die Regelblutung und damit verbundene Schmerzen verstärken kann. Frauen, die ohnehin schon stark unter ihrer Periode leiden, oder sogar von Endometriose betroffen sind, sollten deshalb meist eine andere Verhütungsmethode vorziehen. Außerdem kann das Einsetzen der Kupferspirale sehr schmerzhaft sein. Das Diaphragma ist ein weiteres Mittel, das zur Verhütung in Frage kommt, gilt aber als eher unsicher. Wenn klar ist, dass keine weiteren Kinder gewünscht sind, sollte es besser nicht als einzige Methode zur Schwangerschaftsverhütung angewendet werden. Auch wenn es viele Optionen gibt, scheint also keine vollumfänglich überzeugen zu können. Für viele Paare, bei denen die Familienplanung abgeschlossen ist, kommt zudem die Frage nach einer permanenten Verhütungsmethode auf. Sie möchten sich nicht immer wieder mit der Frage der Verhütung auseinandersetzen müssen, sondern eine dauerhafte Lösung finden. Eine solche könnte in einer Sterilisation bestehen.

Die Sterilisation der Frau: Tubenligatur

Grundsätzlich ist es sowohl für Männer als auch für Frauen möglich, sich sterilisieren zu lassen. Allerdings ist die Sterilisation der Frau, Tubenligatur genannt, ein weitaus größerer operativer Eingriff als beim Mann und entsprechend mit mehr Risiken verbunden. Unter Vollnarkose wird eine Bauchspiegelung vorgenommen, bei der die Eileiter verödet oder mit einem Clip verschlossen werden. Die Sterilisation gilt als die sicherste Verhütungsmethode für die Frau. Allerdings kann eine Schwangerschaft nicht zu 100 % ausgeschlossen werden. Sollte eine Frau trotz Sterilisation schwanger werden, kann es mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu einer Eileiterschwangerschaft kommen. In diesem Fall liegt ein Notfall vor, der eine Operation dringend erforderlich macht. Die Tubenligatur hat in der Regel keinen Einfluss auf die Menstruation, es ist aber möglich, dass die Wechseljahre früher einsetzen. Der Eingriff selbst gilt als risikoarm, ist aber mit den üblichen Operationsrisiken verbunden. Die Kosten liegen zwischen 500 und 1600 Euro und müssen selbst getragen werden, es sei denn, es liegt eine medizinische Indikation vor.

Die Sterilisation des Mannes: Vasektomie

Paare, die auf der Suche nach einer permanenten Verhütungsmethode sind, entscheiden sich häufig für eine Vasektomie. In einem ambulanten minimalinvasiven chirurgischen Eingriff werden die Samenleiter des Mannes durchtrennt und verödet oder mit einem Faden unterbunden, um so die gewünschte Unfruchtbarkeit herbeizuführen. Das Ganze dauert je nach Methode etwa 20 – 30 Minuten. Komplikationen sind unwahrscheinlich, Blutergüsse, Schwellungen und Nachblutungen können jedoch auftreten. Zwischen 1 % und 14 % der Männer berichten von chronischen postoperativen Schmerzen, sie leiden unter dem sogenannten Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom. Die Ursachen dafür sind noch nicht abschließend geklärt. Eine Vasektomie gilt dennoch als risiko- und komplikationsarm. Als Verhütungsmethode ist die Vasektomie ausgesprochen sicher. In 0,2 % der Fälle kann jedoch eine Rekanalisierung auftreten, ein spontanes Zusammenwachsen der Samenleiter. Aus diesem Grund wird einige Zeit nach der Vasektomie eine Untersuchung durchgeführt, um die Wirksamkeit des Eingriffs sicherzustellen. Eine spätere Rekanalisierung ist sehr unwahrscheinlich. Bevor auf weitere Verhütungsmethoden verzichtet wird, sollte sichergestellt werden, dass sich keine Spermien in der Samenflüssigkeit befinden. Zu diesem Zweck wird vom behandelnden Arzt eine Spermienanalyse durchgeführt. In der Regel entfaltet eine Vasektomie nach drei Monaten ihre volle Wirksamkeit. Weiteres zum Thema Vasektomie wird auf dieser Seite näher erläutert. Die Kosten für eine Vasektomie liegen zwischen 400 und 750 Euro und werden nicht von der Krankenkasse übernommen.

Ist eine Sterilisation die richtige Entscheidung?

Eine Sterilisation bietet den Vorteil, dass die Verhütungsfrage nach einem einmaligen Eingriff dauerhaft geklärt ist. Spontaner Sex ist fortan jederzeit möglich, ohne Sorge haben zu müssen, dass daraus eine Schwangerschaft hervorgeht. Libido, Orgasmusfähigkeit, Zyklus und Co. werden in der Regel nicht beeinflusst. Manchmal hat eine Sterilisation jedoch psychische Auswirkungen. Während manche Menschen mit dem Fruchtbarkeitsverlust hadern, empfinden viele eine Befreiung, die sie den Sex mehr genießen lässt. Es ist zwar theoretisch möglich, eine Sterilisation sowohl beim Mann als auch bei der Frau rückgängig zu machen, entsprechende Eingriffe sind jedoch nicht nur kostenintensiv, sondern zudem häufig in der Praxis nicht erfolgreich. In einem solchen Fall kann eine künstliche Befruchtung möglicherweise zu einer Schwangerschaft führen. Doch auch diese sind mit hohen Kosten, vielen Unannehmlichkeiten und unsicheren Erfolgsaussichten verbunden. Wer sich sterilisieren lässt, sollte sich deshalb wirklich ganz sicher sein, dass die Familienplanung abgeschlossen ist. Aus diesem Grund sollte eine Sterilisation erst nach reiflicher Überlegung durchgeführt werden. Insbesondere die Vasektomie kann bei abgeschlossener Familienplanung ein sinnvoller Schritt sein, da der Eingriff minimalinvasiv und mit weniger Risiken verbunden ist als die Tubenligatur und eine große Verhütungssicherheit bietet. Offene und ehrliche Kommunikation über die endgültige Entscheidung ist jedoch entscheidend, um sicherzustellen, dass beide Partner mit der Wahl einverstanden sind.

Tobias Friedrich
Tobias Friedrichhttp://knip.de
Tobias Friedrich, Jahrgang 1987, lebt mit seiner kleinen Familie in Berlin. Als freier Journalist schrieb er bereits u.a. für die Berliner Zeitung und die Berliner Morgenpost. Heute widmet er sich mit Hingabe seinen eigenen Blogs.

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