CBD als Unterstützung beim Einschlafen: Erkenntnisse aus der Forschung zu Cannabidiol und Schlaf

Datum:

Diesen Artikel teilen:

Schlafprobleme zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Anliegen in der Schweiz. Gemäß der Schweizer Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik berichtete im Jahr 2022 ein Drittel der Bevölkerung von moderaten bis schwerwiegenden Schlafstörungen, was einen Anstieg von 5 Prozentpunkten im Vergleich zu 1997 darstellt. Viele Menschen meiden verschreibungspflichtige Schlafmittel aufgrund des potenziellen Risikos von Abhängigkeit und suchen stattdessen nach pflanzlichen Alternativen. Cannabidiol, häufig als CBD bezeichnet, ist einer der am häufigsten diskutierten Inhaltsstoffe in diesem Kontext. In diesem Artikel wird erläutert, wie CBD wirkt, welche Ergebnisse verschiedene Studien zur Schlafqualität bisher erzielt haben und welche Aspekte beim Kauf zu berücksichtigen sind.

Wirkungsweise: Wie CBD das Endocannabinoid-System beeinflusst

CBD ist eines von über 100 Cannabinoiden, die in der Hanfpflanze enthalten sind. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) hat es keine berauschende Wirkung und ist somit nicht psychoaktiv. Dieser Wirkstoff interagiert mit dem Endocannabinoid-System, einem komplexen Regulationsnetzwerk, das unter anderem Funktionen wie die Stressreaktion, die Stimmung und die Schmerzempfindung reguliert. CBD wirkt also nicht direkt an den CB1- oder CB2-Rezeptoren, sondern mediiert seine Wirkung insbesondere über Serotoninrezeptoren, vor allem den 5-HT1A-Rezeptor. Das kann Spannungen lösen und nächtlichem Grubeln entgegenwirken, zwei häufige Ursachen für Einschlafprobleben. Wer sich näher mit CBD-Produkt beschäftigen möchte, findet Öle, Blüten oder Kapseln auch im Cannabis Online Shop, häufig mit Angabe zum deklarierten Cannabinoidgehalt.

Studienlage: Was sagt die Forschung zur Schlafqualität?

Die wissenschaftliche Basis zu CBD und Schlaf ist noch dünn. Eine vielzitierte retrospektive Fallserie im Permanente Journal untersuchte 2019 insgesamt 72 erwachsene Patienten mit Angst- und Schlafstörungen. Nach einem Monat berichteten rund zwei Drittel der Teilnehmer von besseren Werten im Pittsburgh Sleep Quality Index. Eine Kontrollgruppe gab es nicht, zudem nahmen viele Teilnehmer parallel andere Medikamente oder Therapien, was die Aussagekraft einschränkt. Ein 2024 veröffentlichtes Placebo-kontrolliertes Studien-Design verglich niedrig dosiertes CBD mit 5mg Melatonin und fand keine überlegene Wirkung gegenüber dem hormonellen Präparat. Eine Analyse von medizin-transparent.at kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Verlässliche randomisiert kontrollierte Studien fehlen weitgehend, bei mehr als jedem zehnten Patienten paradox eher Schlafprobleme als Besserung ein. Insgesamt ist die Evidenz vielversprechend, aber vorläufig. Größere placebokontrollierte Studien mit einheitlichen Dosierungen fehlen noch.

Rechtliche Lage und Qualitätskriterien beim Kauf


Rechtlich gesehen fallen Hanfprodukte in der Schweiz mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, bestätigt das Bundesamt für Gesundheit. Dies unterscheidet die Schweiz von der EU, wo in der Regel 0,2 bis 0,3 Prozent THC die Grenze bilden. Reisende sollten dies bedenken, da im Ausland andere Werte gelten können und auch Kontrollen an den Grenzen stattfinden. Als Arzneimittel ist CBD bislang nur für eng begrenzte Einsatzbereiche zugelassen. Das Mittel Epidyolex hat von Swissmedic die Zulassung als Zusatztherapie bei seltenen Epilepsieformen wie Dravet-Syndrom erhalten, nicht aber gegen Schlafprobleme. Frei verkäufliche CBD-Produkte gelten rechtlich als Genussmittel oder Kosmetika und durchlaufen kein vergleichbares Zulassungsverfahren. Bei der Auswahl sind unabhängige Laboranalysen, sogenannte Certificates of Analysis, hilfreich. Sie weisen den tatsächlichen Inhalt von CBD und THC aus und erklären, ob Pestizide und Schwermetalle gefunden wurden. Seriöse Anbieter veröffentlichen diese Zertifikate und die Herkunft ihres Hanfs.
Wer CBD ausprobieren möchte, beginnt am besten mit einer niedrigen Dosis von 5 bis 10 Milligramm am Abend und steigert langsam nach Bedarf. Immer Grundlage jeder Schlafverbesserung bleibt eine feste Schlafenszeit, wenig Bildschirmlicht am Abend, moderate Bewegung tagsüber. Dies alles kann CBD unterstützen, aber nicht ersetzen. Ein kühles, dunkles Schlafzimmer entsteht nicht von selbst, ein fester Zeitpunkt für den letzten Kaffee am Nachmittag auch nicht — beides trägt nach Einschätzung von Schlafmedizinern messbar zur Schlafqualität bei. Wer überhaupt häufig schlecht schläft oder schwerwiegende Schlafstörungen hat, ersetzt mit CBD keine ärztliche Abklärung, sondern ist gut beraten, es als weiteren Baustein zu sehen. Wer regelmäßig andere Arzneimittel einnimmt, klärt Wechselwirkungen vorab bei Ärztinnen, Ärzten oder Apothekerinnen und Apothekern ab.

Tobias Friedrich
Tobias Friedrichhttp://knip.de
Tobias Friedrich, Jahrgang 1987, lebt mit seiner kleinen Familie in Berlin. Als freier Journalist schrieb er bereits u.a. für die Berliner Zeitung und die Berliner Morgenpost. Heute widmet er sich mit Hingabe seinen eigenen Blogs.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Das könnte Sie auch interessieren

Cannabis in Europa: Gesetze und gesellschaftliche Entwicklungen im Wandel

In den letzten Jahren hat sich die Debatte über Cannabis in Europa spürbar gewandelt. Wo jahrzehntelang fast ausschließlich...

Tierarztbesuch ohne Papierkram: Wie digitale Abrechnung Hundehalter entlastet

Wenn ein Hund krank wird oder sich verletzt, zählt zuerst die medizinische Versorgung. Für Halterinnen und Halter kommt...

Retro-Lifestyle – so prägen ältere Menschen junge Trends

Zwischen Schallplatten, Strickzeug und Emaillegeschirr entsteht gerade eine ungewöhnliche Allianz: Junge Menschen entdecken die Gewohnheiten ihrer Großeltern neu....

Naturschönheiten in Nordrhein-Westfalen – so werten sie Immobilienstandorte auf

Wald, Fluss und Weite gehören in Nordrhein-Westfalen längst zu den gefragtesten Standortfaktoren. Wer eine Immobilie sucht, achtet heute...